Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 76 (1932)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Gebot und Mysterienhandlung
- Date
- 1932-01-01
- Page
- Seite 324 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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324 Michael Guttmann sieht, was unter Ausgestaltung, Entwicklung und Folgeerschei״ nung subsumierbar ist, so kommen wir zu den unableitbaren Grundbegriffen: Gebot und Mysterium. Das menschlich beherrschbare Mittel zur Förderung einer Beziehung zwischen Gott und Mensch ist nach jüdischer Auffassung das g ö 11 ■־ liehe Gebot. Wer das göttliche Gebot erfüllt, hat dem göttlichen Willen entsprochen und ein Gott wohlgefälliges Werk vollzogen. Dem Charakter der Bezogenheit Gottes zum Menschen wird hier am besten das Korrelativ von Schöpfer und Geschöpf entsprechen. Es werden nichtsdestoweniger auch die Bilder von Vater und Sohn, König und Untertan, Herr und Diener gebraucht: alle in übertragenem Sinne. — Für den hellenistischen Religionsgedanken hingegen ist das menschlich faßbare Mittel zur Erreichung einer Gottbezogenheit das M y s - t e r i u m. Eine eingehende Definition des Mysteriums kann uns hier erspart bleiben; ebenso die weitverzweigten Entwicklungsformen und Vergeistigungsprozesse, die in spätere Zeiten hineinragen. Wir wollen bloß die Unterscheidungsmerkmale in ihren Hauptzügen ins Auge fassen. Das Mysterium unter״ scheidet sich vom Gebot am deutlichsten darin, daß es instru״ mentaler Natur ist. Es soll ein Instrument sein, dessen der Gläubige sich bedient, um in die Sphäre des Göttlichen gehoben zu werden. Während nun das Gebot in seiner unmittelbaren Gegebenheit nichts anderes ist als ein göttlicher Willensaus״ druck; und nur aus der Überlegung heraus, daß Gott die treue Befolgung seines Willens mit Wohlgefallen entgegennehmen würde, folgt für den Gläubigen die Hoffnung, daß er durch seine Frömmigkeit eines göttlichen Heils gewürdigt werden würde, etwa wie ein guter, folgsamer Sohn auf die Liebe seines Vaters hofft: sieht der Myste in seinem Mysterium einen in übertragenem Sinne zu nehmenden Mechanismus, oder eine Art Leiter zwischen Himmel und Erde, die, richtig gehandhabt, das Eindringen in den Himmel gestattet. Um den großen und weltanschaulich grundlegenden Unter״ schied zwischen Gebot und Mysterium noch deutlicher hervor״ treten zu lassen, wollen wir auf den Dramencharakter des Mysteriums hinweisen. Dem Mysten wird auferlegt, Szenen durchzuleben, die Kraft ihrer Ähnlichkeit mit gewissen bio״