Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 76 (1932)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Secharja ben Berechja
- Date
- 1932-01-01
- Page
- Seite 318 (sequence 6)
- Language
- German
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318 Leo Baeck flössen ־und unbedeckt geblieben ist. Das ist der Rost, der nicht abgewaschen werden konnte, die Sünde, welche Ezechiel vorausgeschaut hat, um derentwillen Jerusalem zerstört worden ist und seine Bewohner fortgeführt wurden, Stück um Stück, was wohl meint: von der Fortführung durch Titus bis zu der durch Hadrian. Aueh.in anderen Überlieferungen, die vom Blute des Seebar ja sprechen, tritt das gleiche deutlich hervor1. Dies alles wird verständlich, nur wenn es auf die Ermordung dieses Secharja hinzielt, von dem Josephus spricht. Er ist in der Tat, darin stimmen die Evangelien, die Haggada und der Bericht des Josephus überein, ,,zwischen dem Tempelhaus und dem Altar'1 ,,in der Vorhalle der Priester", ,,mitten im Tempel", getötet worden, und er war, ganz wie Josephus sagt es die Haggada, hinabgestürzt worden ,,auf den kahlen Felsen", ״in den Abgründ am Heiligtum". Durch die Erzählung des Josephus klingt die Erschütterung hindurch, die der furchtbare Mord hervorrief. Er konnte den Zeitgenossen und den späteren Geschlechtern als die Sünde erscheinen, für die es nun keine Vergebung mehr gab, um derentwillen Strafe über Strafe hereinbrach. Wir besitzen eine alte Überlieferung, die ein Zeugnis dieses Empfindens ist, von einem Manne, der die Tage nach dem Sturze Bethers geschaut hat, von R. Josna ben Karcha; ihm habe ein Greis aus Jerusalem, ein Mann also, der den Mord an Secharja noch erlebt batte, erzählt, das Blut vom Tale bei Bether sei geflossen, bis es an das Blut des Secharja heranrührte2 — das Blut in Bether also die Strafe für das ״Blut des Secharja/‘ So sehr hat dieses unschuldige Blut die Gemüter erregt, daß die Kunde schließlich zur Legende wurde, zu der Legende von dem ungesühnten Blute, welches wallt und siedet und nicht stille sein will, und daß diese Legende dann auch die biblische Erzählung vom Morde am Priester Secharja in sich auf nahm. \׳ . Einen besonderen historischen Hintergrund haben die Worte des R. Acha. Er war ein Zeitgenosse des Kaisers Julianus, der den Plan zu hegen schien, den Tempel wieder aufzubauen. Acha beschäftigte offenbar der Gedanke daran; er erklärte, daß das 1 Tanchuma zu Lev 4r 2 Gittin 57b.