Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 76 (1932)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Secharja ben Berechja
- Date
- 1932-01-01
- Page
- Seite 316 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2829132-2829983-2829988-2837627--51319-2837706- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
316 Leo Bäeck geht, daß es sich im Evangelium nicht um den Secharjader Chronik handle, sondern um einen ganz anderen Secharja, um den Secharja ben Baruch oder ben Berechja, von dem Josephus berichtet, daß die Zeloten, die vor dem Fall Jerusalems die Herrschaft erlangt hatten, ihm, einem angesehenen, gerechten Mann, den Tod bereiteten; als ein Gericht, das sie einberiefen, ihre Anklage gegen ihn zurückwies, so erzählt Josephus, ,,fielen zwei der Zeloten mitten im Tempel über ihn her und töteten ihn, indem sie ihm höhnend zuriefen: ,,da hast du auch unsere Stimme und eine zuverlässigere Freisprechung!" Darauf warfen sie ihn aus dem Heiligtum hinab in den neben diesem liegenden Abgrund1/' Daß nur dieser andere Secharja in Betracht kommen kann, ist, trotz jener nicht haltbaren Beweismittel, bestimmt und klar darzutun. Schon das Evangelium selbst spricht sehr deutlich. Die drohenden Worte, die es von Jesus ausgehen läßt, richten sich an die Gegenwart, und sie würden daher ihren Sinn verlieren, sollte das Verhängnis, das ihr verkündet wird, die Strafe für Verbrechen sein, deren letztes; mehr als acht Jahrhunderte zurück, in grauer Vergangenheit lag. Seit ihm war der Untergang Samarias, die Zerstörung Jerusalems und des Tempels, das Leid des Exils über das Volk hereingebrochen; alte Sünden waren gesühnt. Neue schwere Sünden waren dann verübt worden, und von ihnen sollte nicht mehr gesprochen worden sein, wenn gesagt wurde: ,,Wahrlich, ich sage euch, dies alles wird über diese Generation kommen" (Matth 2336), ״damit von dieser Generation das Blut gefordert werde" (Lukas 1150)! Den noch eindeutigeren Beweis erbringt dann die Haggada, besonders in einer Predigt des Jose ben Chanina. Sie ist im Midrasch Echa rabbati2 überliefert, und der Redaktor des Midrasch hat in sie jene eingangs erwähnte Antwort Achas eingefügt. Ihr Thema ist das damals oft behandelte von der Sünde, welche schließlich den strafenden Zorn Gottes über das Volk heraufbeschwören mußte; der eigentliche Text, neben dem ersten Verse der Klagelieder, der durch den Tag, an dem sie gehalten wurde, gewiesen war, ist eine Drohrede des Ezechiel (246 ff.). Der Prediger 1 Josephus, Bell. j\1d. IV, 5, 4. Über die verschiedenen Lesarten de& Vaternamens s. die Niesesche Edition. 2 Echa rabbati, Peticha 5.