Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 76 (1932)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Secharja ben Berechja
- Date
- 1932-01-01
- Page
- Seite 314 (sequence 2)
- Language
- German
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314 Leo Baeck letzte, ganz wie Abel der erste ist. Gleich ergreifend ist ihr Geschick; das Blut des einen wurde vom Bruder, das des anderen im Heiligtum vergossen,, und beider Tod ruft das Gericht Gottes auf; dort heißt es: ,,Die Stimme des Blutes deines Bruders schreit zu mir vom Erdboden" (Gen 410), hier ist gesagt: ,,Sehen wird es der Ewige und ahnden" (II Chr 2422). Es durfte so gesprochen werden: ,,vom Blute Abels bis zum Blute Secharjas". Hinzu kommt, daß der Secharja unserer Haggada bisweilen ausdrücklich als Priester und Prophet bezeichnet wird1, und des weiteren, daß die Frage des R. Judan, in welchem Vorhof Secharja ermordet worden sei, sich sinngemäß an den Bericht der Chronik, der ganz allgemein vom Vorhofe spricht, anschließen kann. Wenn das Matthäusevangelium anstatt Jojadas als seinen Vater Berechja nennt, so könnte dies auf eine Verwechslung mit dem Vater des bekanntesten Secharja, des Propheten, zurückgehen, der der Sohn Berechjas, des Sohnes Iddos war, und Verwechslungen solcher Art waren damals nicht selten; mit ähnlichem Versehen ist unser Secharja einmal im Targum als der Sohn Iddos2 bezeichnet. So wahrscheinlich und fast gewiß dies alles zunächst erschien, so konnten sich doch gewisse Bedenken einstellen. Einige Erklärer des Evangeliums3 betonten, Secharja ben Jojada sei doch nicht, wie das Evangelium sage, ,,zwischen Tempelhaus und Altar", sondern ,jm Vorhofe" getötet worden; sodann, was besonders Wellhausen mit der bei ihm nicht seltenen spöttischen Emphase, die jeden Widerspruch sofort zum Schweigen bringen sollte, behauptet hat, dieser Secharja der Chronik sei ,,ein ganz obskurer 1 Targum Klagelieder 22/, Echarabbati, Peticha 23 (S.Tla) und zu 413 (S. 75a); p. Taan. 69a. 2 Targum zu Klagelieder 2a0; diese Bezeichnung geht auf Esra 5! u. 614 zurück; vgl. auch Erubin 21a. J. Lichtenstein in seinem Kommentar zum Matthäus-Evangelium, herausgegehen von Laible und Levertoff, S. 110, vermutet, daß im Evangelium bzw. der Haggada der Prophet Secharja gemeint sei und eine alte Legende von einem Märtyrertod, den er im Heiligtum erlitt, gesprochen habe. — Jene Verwechslung könnte auch auf Jes 82 zurückgehen. 3 S. die sorgsame Darstellung bei C. G. Montefiore, The Synoptic Gospels2 II 303 f. Die Ansicht, daß es sich in unserer Haggada um Secharja ־ben Jojada handle, vertritt auch Bacher, Ag. d. pal. Amoräer III 128, Anm. 5 u. 6.