Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 76 (1932)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Lexikalisches Allerlei
- Date
- 1932-01-01
- Page
- Seite 293 (sequence 9)
- Language
- German
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Lexikalisches Allerlei 293 ,,Palme" bedeutet (= arab. nahl), habe ich schon vor 33 Jahren gezeigt1. Das Wort ist aber wenigstens einmal auch im Rabbinischen belegt und zwar in der bekannten, an verschiedenen Stellen wiederkehrenden Hyperbel für eine unzählbare oder unmeßbare Menge2. Im Anhang zu Megillat Ta'anit lautet die Lesart des Ms. Parma3: אם היו כל הימים דיו רכל הנחלים קנים יוכו״, was nur bedeuten kann: ,,Wenn alle Meere Tinte wären und alle Palmen Schreibrohre." Das ist nicht nur wegen des geraden Wuchses der Palme ein treffendes Bild, sondern paßt auch in seiner Grandiosität zu den parallelen Bildern vom Himmel und vom Meer. Für נחלים, das in dieser Bedeutung sicher nur ein seltenes und poetisches Wort war, wurde von Glossatoren, die noch den Sinn verstanden, 4אילנות bezw. 5יערות gesetzt. Als letzter Ausläufer der La יערות ist dann noch כל ח ו ר ש ת א in dem aramäischen Piut אקדמות מלץ zu nennen. Andere Glossatoren nun, welche die hier vorliegende Bedeutung von נחלים nicht mehr kannten und es als ,,Ströme" auffaßten, suchten das wenig passende Bild dadurch verständlicher zu machen, daß sie dafür 6אגמים (im Sinne von ,,schilfreiche Sümpfe") setzten, woraus dann noch folgerichtiger 7קנים ,,Schilfrohre" wurde. נסים (nom. propr. masc.) Der im Mittelalter (nur in muhammedanischer Umgebung) häufig vorkommende Name wurde bisher כפים gelesen und als Plural von נם auf gef aßt. Wie soll aber gerade dieser Plural zu einem Personennamen geworden sein? Ich vermute statt dessen, daß es arabisch nasim ist, das ,,sanfter Wind" bedeutet, aber auch als Eigenname vorkommt. Prof. Richard Hartmann- 1 JQR XI (1898/99) 688 ff. Vgl. auch Jacob, ZDMG LX 141. ZATW XX 102, der auch Gant 6U לראות באבי הנחל so erklärt. 2 Die gleiche Hyperbel findet sich bekanntlich auch sonst häufig in der Weltliteratur, vgl. Reinhold־ Köhler, ,,Und wenn der Himmel wär’ Papier" in Benfeys Orient und Occident II 546—599. 3 Neubauer, Med. Jew. Chr. II 23. 4 Massechet Soferim 16, 8. Daraus dann auch im Koran (3l26). 5 Ms. Bodl. in M. T. Die auffallende La. des Ms. München וכל הארץ erklärt sich vielleicht als alter Fehler für וכל ה א ר ז י ם. 6 So fast alle andern Textzeugen. 7 Abot de R. Nathan 25 (nur in den Drucken) וכל קבים קולמוסים.