Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 76 (1932)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Massa JHWH
- Date
- 1932-01-01
- Page
- Seite 282 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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282 Harry Torczyner dreistet, Gottes Sprechen oder ״Trachten“ mit diesem Wort zu bezeichnen. Weil nicht im ״Spruch Jhwhs“, sondern in ״Lehensforderung jhwhs“ der Anstoß lag, ist es unwahrscheinlich, daß der Prophet sich gegen jenes wendet, wo er doch dieses meint. In der.ursprüngliehen Fassung wird er seinen Fluch sicherlich direkt gegen die falsche Wendung selbst gerichtet haben, nicht erst gegen etwas, was man erst allenfalls durch Mißverständnis so auf fassen konnte. In einem Aufsatz über ,,Das literarische Problem der Bibel“ in ZDMG 1931 S. 287—324 habe ich versucht zu zeigen, daß die rednerischen wie die poetischen, ja wie auch die gesetzlichen Stücke der Bibel als Einlagen in den geschichtlichen Erzählungsrahmen entstanden sind, der in den prophetischen und poetischen Sammlungen selbst jedoch meist weggelassen ist. So gehörten z. B. auch die Reden eines Arnos, Hosea, Jesaja, Jeremia ursprünglieh zu verschiedenen Darstellungen des Lebens dieser Propheten, die, ganz wie die verschiedenen Quellenschriften über Mose oder David, immer wieder neu geschrieben und gedichtet wurden, nnd wie etwa im Buche Hiob mehrere Stadien der Sage und Dichtung von Hiob sich nachweisen lassen1. Wenn sich daher Spuren mehrerer Hände in den überlieferten Prophetenreden finden, wie wenn z. B. derselbe Stoff, innerhalb desselben Buches (wie öfter bei Jeremia und Ezechiel) oder verschiedenen Propheten :zugeschrieben, mehrmals in ähnlicher Gestalt sich findet, oder wenn wir demselben Stück, durch Zusätze erweitert, an anderer Stelle begegnen (vgl. z. B. Jes 15—16 und Jer 48; Zef 3r4 und Ez 2224-28), so handelt es sich nicht, wie oft angenommen wird, um Fälschung, die dreist ihr Wort für das der Propheten ausgibt, •sondern um immer wieder neue literarische Versuche, die Lebensbeschreibung der Propheten durch eingelegte Reden auszuge- :stalten, also um Dichtung, die im vollen Bewußtsein, dazu ein Recht zu besitzen, den überlieferten Stoff immer wieder neu wendet und ausgestaltet. Daß dabei die Meinung der ursprüngliehen Rede, ob sie nun vom Propheten selbst oder nur von einem älteren Dichter stammt, nicht immer treu wiedergegeben wurde, war wohl unvermeidlich. Und nun haben wir hier in Jer 233340־ ein 1 S. Torczyner, Hiobsage und Hiobdichtung־, MGWJ 1925, 234—248.