Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 76 (1932)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Massa JHWH
- Date
- 1932-01-01
- Page
- Seite 274 (sequence 2)
- Language
- German
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274 Harry Torczyner ,,Erheben, Tragen“ einer Last angewendet wurde, woraus משא die gewöhnliche Bedeutung ,,Last, Bürde“ annahm. Danach versteht und übersetzt man z. B. V. 33 etwa: Und wenn dies Volk oder der Prophet oder Priester dich also fragt: Was ist Jhwhs Spruch (משא)? So sprich zu ihnen: ,,Ihr seid die Last (משא), und ich werfe euch ab (ונטשתי אתכם) , ist Jhwhs Spruch!“, wobei man mit LXX und ihren Tochterversionen gewöhnlich אתם ך.מש'א für את־־מה־מש׳א liest; vgl. auch schon Raschi und dazu Ehrlich, Randglossen zur Stelle. Ähnlich liest man dann in V. 39 statt לכן הנני ונשיתי אתכם נשא; wo doch wohl das Wort משא zu etymologischer Deutung ausgewertet wird, לכן תמי ונשאתי אתכם נשא, ,,darum, siehe, trage ich euch“, um auch hier fortzusetzen: ,,und ich werfe euch ab“ (ונטשתי אתכם). Wird diese Lösung des naassä’-Problems, bei der man sich allgemein beruhigt, dem Wortlaut und Inhalt des Abschnitts gerecht? Das muß bei näherer Prüfung verneint werden. Man mag die Schwierigkeit übergehen, die mit der Lesung der LXX in den Kauf genommen werden muß, daß Gottes Antwort auf die Frage des Volkes, da sie dasselbe Wort gebraucht und nicht angibt, daß sie es anders verstanden wissen will, zunächst auch den Zeitgenossen des Propheten oder Autors völlig unverständlich bleiben mußte. Sie fragen: Was ist Gottes ma^ä׳ Spruch? Und die Antwort lautet: Ihr seid Gottes ma^sä*! Steht auch hier wieder das Wort, das in der Frage ,,Spruch“ bedeutet, so müßte ausdrücklich gesagt werden, daß es nun jedoch in anderem Sinne zu verstehen ist, wenn nicht etwa verschiedene Aussprache die Wendüng der Bedeutung bezeichnete; dies aber kommt bei der sprachliehen Identität der ,,Last“ und ,,Spruch“ bezeichnenden Wörter nicht in Betracht. Was sollte aber auch in der Verbindung ,,Last Jhwhs“ den schlimmen Anstoß bieten, daß darum der Gebrauch des doppeldeutigen Wortes zur schweren Sünde würde und dies auch dort, wo unmißverständlich ״Spruch Jhwhs“ beabsichtigt wäre? Man versteht es allenfalls, daß der Doppelsinn zu einem Wortspiel Anlaß gibt, aber die Hauptfrage, warum das sonst unschuldige Wort Jeremia als sündhaft gilt, ja wie es als das gelten kann, bleibt unbeantwortet. Ferner wird in V. 36, wo die Warnung, den blasphemischen Ausdruck zu gebrauchen, wiederholt wird, wirklich etwas wie eine Definition des zu vermeidenden Be-