Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1932-01-01 · Heft 3 · p. Seite 259

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
76 (1932)
Issue
Heft 3
Article
Nachwort zum Jüdischen Lexikon [Rezension]
Date
1932-01-01
Page
Seite 259 (sequence 14)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
92% known words query
IRI
…/2829132-2829983-2829987-2837508--51241-2837600
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Besprechungen 259 VI. Iliustraiionsteil. Der Illustrationsteil ist unbedingt eine Ruhmestat des Illustrations־ redakteurs, der, auf den ersten systematischen Vorarbeiten der Herausgeber fußend, eine außerordentlich reichhaltige und anschauliche Ikonographie geschaffen, auch viele seltene, unbekanntere Sachen ausfindig gemacht hat, wenn auch manchmal des Guten zuviel geschah (viell. regt übr. der Bilderteil des J. L. einen Verleger an, einen umfassenden, sachlich gegliederten ,,Atlas der jüd. Kultur“ zu begründen, evtl, in Verbindung mit der ,,Arbeitsgemeinschaft von Sammlungen j. Kunst und Altertümer“; man denke an Lüdike-Mackensens ,,Deutsch. Kulturatlas“). Daß der Bilderteil des J. L. •ganz besonders exakt redigiert sein muß, sollte klar sein, denn das erste, was beim Blättern im J. L. beachtet wird, sind naturgemäß die Bilder und ihre Unterschriften, sie sind also hervorragend repräsentativ. Dann darf aber z. B. unter keinen Umständen folgendes Vorkommen: Bad — das erste Bild der Tafel XIII in Bd. I (wie auch das Tafel- Verzeichnis am Ende des Bandes) trägt die Unterschrift ,,Judenbad im Dom zu Speyer.“ Das Bad befindet sich aber keineswegs ,,im Dom zu Speyer“, auch nicht etwa am Dom oder in irgendeiner räumlichen Nachbarschaft zum Dom, sondern in der Judenbadgasse innerhalb der früheren Synagoge, nicht weniger als 180 m Luftlinie vom Dom entfernt. (Es sei bemerkt, daß bereits im 1. Bande die Texte der Bilder von der Illustrationsredaktion selbständig hergestellt wurden.) Bibel — in der Tafelbeilage zum Art. ,,Bibel in der bildenden Kunst“ wird u. a. Böcklins bekanntes Bild ,,Susanna im Bade“, vielleicht entsprechend einem flüchtigen ersten Illustrationsplan, gebracht: die Physiognomien der drei Personen sind Porträts von jüdischen Kunsthändlern, auf die Böcklin aus persönlichen Gründen einen großen Haß hatte. Muß das J. L. ausgerechnet die Inkarnation eines antisemitischen Racheaktes des Künstlers verewigen? Corinths oder Kokoschkas Susanna-Bild hätten den Zweck, einen modernen Künstler zum Thema zu bieten, besser erfüllt. Fraiij Bd. II, Tafel 73, 1. Bild: ,,Mumienbild einer Jüdin aus der Mitte des 2. Jhdts.“ (nb.: vor oder nach?). Tatsächlich hatte ich einmal auf Grund des Porträttyps gelegentlich vermutet, daß es sich um eine Jüdin handeln könnte, und selbstverständlich Nachprüfung verlangt, Ich war aber bald von dieser Annahme abgekommen, die ja in keiner Weise belegt und gesichert war (haben denn überhaupt die ägyptischen Juden ihre Toten mumifiziert und porträtiert?), konnte aber die Textierung nicht mehr beeinflussen. So geht, nicht einmal mit Vorbehalt, ein ungeprüfter und unkritisch übernommener Einfall als Tatsache verwirrend in die Welt hinaus. Jakobssegen — unter diesem li t er arges chichtlichen Terminus versteht die Wissenschaft ausschließlich Gen. Kap. 49. Illustriert man diesen Art. mit Rembrandts Gemälde ,,Jakob segnet Manasse und Efraim“ (Bd. III, Sp. 149/150), so beruht die Verwechselung mit Gen 489 ff. — 17*

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.