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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1932-01-01 · Heft 3 · p. Seite 237

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
76 (1932)
Issue
Heft 3
Article
Die Anfänge der israelitischen Gemeinde zu Kiel
Date
1932-01-01
Page
Seite 237 (sequence 9)
Language
German
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Die Anfänge der israelitischen Gemeinde zu Kiel (1863—1872} 237 Mit der Vertretung des Oberrabbiners für die geistlichen Funktionen war schon 1868 der Lehrer B, Levy betreut worden. Als die Regierung 1873 den Nachfolger Levys, den Kantor Baruch Isaacsohn, der ״überaus vorteilhafte Zeugnisse“ hatte, bestätigt hatte, ließ sie ihn auch in Vertretung die geistlichen Funktionen versehen. Nach dem Amtsantritt von Oberrabbiner Dr. Löb wird die dem Isaacsohn erteilte Genehmigung eingeschränkt, er bedarf in jedem Falle der vorgängig eingeholten Zustimmung des Oberrabbiners. Als Löb 1876 sein Gesuch — selbst die geistlichen Funktionen in Kiel auszuüben — der Regierung übermittelt hat, unterstützt sie dieses und schreibt: ,,Da der Religionslehrer B. Isaacsohn, welcher geistliche Amtsfunktionen mit Konsens des Oberrabbiners vornehmen darf, mit der Gemeinde Differenzen gehabt hat, und nicht die geeignete Persönlichkeit zu sein scheint, um als Geistlicher zu fungieren, glauben auch wir, das Ansuchen des Oberrabbiners Dr. Löb nur empfehlen zu können.“ Mit der Übernahme des Geistlichenamtes wird die dem Isaacsohn gegebene Erlaubnis hinfällig. Als B. B. Levy sich 1$72 verändern wollte, bewilligte ihm die Gemeinde für zwei Jahre eine Zulage von 60 Thalern. Er ging dennoch nach Bremen. Isaacsohn hatte bald Differenzen. Er glaubte, daß die von den Fleischern zu zahlenden Gebühren in seine Tasche fließen sollten, während sie in Wirklichkeit der Gemeindekasse zukamen. Daher scheint er es mit seinen Pflichten gegenüber den Fleischern nicht so genau genommen zu haben. Infolge einer ■eingegangenen Beschwerde wird beschlossen: ,,Cantor •Isaacsohn soll an seine Pflicht gemahnt werden, während zwei Stunden die Aufsicht beim Verkauf des Fleisches zu führen und in der vorgeschriebenen Zeit den Schulunterricht zu halten. Herrn Isaacsohn wird mitgeteilt, daß. im Weigerungsfälle eine Generalversammlung berufen wird, um über sein.ferneres Verbleiben im Amte abzustimmen.“ So wird seine Stellung bereits 1874 unsicher. Aber er hat auch seinen Anhang. Obgleich die Vakanz schon ausgeschrieben, und man schon ernstlich mit einem neuen Bewerber in Verbindung getreten war, wird seine Amtsdauer immer wieder verlängert, sogar bis zum 1. April 18771. 1 Isaacsohn starb in Kiel als Restaurateur 1892.

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