Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 76 (1932)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Die Anfänge der israelitischen Gemeinde zu Kiel
- Date
- 1932-01-01
- Page
- Seite 235 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/2829132-2829983-2829987-2837505--51211-2837576- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Die Anfänge der israelitischen Gemeinde zu Kiel (1863—1872) 235׳ Mitglieder des Magistrats und, geladene Gäste :— insgesamt 120 Personen — teilnahmen. Dieses Festessen hatte noch ein Nachspiel. Gegen den Gemeindevorsteher, der die Kosten für die 40 Nichtgemeindemitglieder aus der Kasse bezahlt hatte, wurde eine Beschwerde beim Magistrat eingereicht, über die es manche Schreiberei und mündliche Vierliandlungen gab. Sie zogen sich bis in den Herbst 1871 hin und brachten viel Unerquickliches ans Tageslicht. III. Die Vorsteher der Israelitischen Gemeinde Kiel. Wolff Hirsch, dessen tatsächliche Verdienste um die Entwicklung der Gemeinde nicht zu leugnen sind, hatte sich mißliebig gemacht. Schon 1869 war gegen ihn und den Kassierer H. Hirschfeld eine Beschwerde eingereicht worden. Es wurde ihnen angeraten, aus freiem Antrieb ihre Ämter niederzulegen. Sie verteidigen sich gegenüber dem Magistrate und schreiben: ,,Da wir Beide nun keine Verbrecher sind, und uns keiner schlechten Tat bewußt, so erklären wir einfach, das würden wir nicht tun/' Die Beschuldigungen gegen ihn nehmen zu. Man will ihn nicht allein nach Berlin reisen lassen und muß sich wieder an den Magistrat wenden, da er durch eine Wahl nicht zu beseitigen ist, gehört doch die Mehrzahl der Gemeindemitglieder zu seinen Verwandten. Neue Mittel gegen ihn glaubt man nach der Wahl des Jahres 1870 zu haben. Fingierte Steuerkonti hätten ihm den Sieg gebracht. Der Magistrat prüft •die Beschwerde von über 20 Stimmberechtigten und erklärt die Wahlen für ungültig. Damals scheint Adolf Rosenzweig, angestellt bei der Firma Meyer & Löwy, zum ersten Vorsteher gewählt worden zu sein. Gegen seine Wahl wird ebenfalls Protest eingelegt, da er nicht selbständig sei. Aber andere setzen sich für ihn ein und rühmen seine Intelligenz und seine sonstigen Vorzüge. Er scheint in der Tat für die Kieler Gemeinde Verhältnisse eine überragende Persönlichkeit gewesen zu sein. Schon 1872 will er sein Amt niederlegen, der Vorstand lehnt dies aber ab. Er wendet sich an den Magistrat mit der Begründung, daß er viel auf Reisen sein müsse und seine-Firma wünsche, daß er:dieses Amt niederlege. Dem Drängen der Gemeinde, die glaubt, ihr! nicht entbehren zu können; gibt der Magistrat nach. 1874 wird das Gesuch Rosenzweigs dringlicher^ er bittet um Neuwahl, da ,;Ich