Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 76 (1932)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Die Anfänge der israelitischen Gemeinde zu Kiel
- Date
- 1932-01-01
- Page
- Seite 234 (sequence 6)
- Language
- German
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234 A. Posner wurde, ,,ob der Hohe Magistrat uns die Ehre erweisen wolle, sich in angegebener Weise dem Zuge anzuschließen. Es wird genau die Zeit angegeben werden, denn wir dürfen mit den Gesetzesrollen nicht lange auf der Straße bleiben/‘ Am 24. Tebeth 5630 28־. Dezember 1869 fand nun die Einweihung statt1. In der Schuhmacherstraße versammelte sich die Gemeinde und zog unter Musik mit den Gesetzesrollen zum Rathause am alten Markt, wo der versammelte Magistrat sich dem Zug anschloß. Dem Musikkorps waren junge Mädchen gefolgt, die auf einem Kissen die Synagogenschlüssel trugen. Sie übergaben sie vor dem neuen Hause dem Gemeindevorsteher Wolff Hirsch, der die Synagoge öffnete, die Thorarollen unter einem Baldachin — jedenfalls der Chuppoh — einziehen und die Gemeinde unter Absingung eines Psalmes folgen ließ. In der Synagoge fand ein Umzug mit den Thorarollen statt, die Heilige Lade wurde geöffnet, die Thorarollen — sechs an der Zahl — hineingesetzt. Dann folgte die Einweihungspredigt des Oberrabbiners Ettlinger, von dem eine Kieler Tageszeitung schrieb: ,,Der greise Mann ehrwürdigen Ansehens sprach lange, nicht ohne Schwung. י Nach einer einleitenden Lobpreisung des allmächtigen und allgütigen Gottes, redete er über das nach der heiligen Tradition von Abraham, Isak und Jakob herstammende Morgen-, Abend- und Nachtgebet, brachte dasselbe mit den verschiedenen Tageszeiten, den verschiedenen Lebensaltern, den Geschicken und der Geschichte der Völker in Beziehung und bestimmte und weihete das neue Haus für dasselbe, wie einst Salomo den Tempel . des Herrn ge weiht hatte.“ (Kieler Zeitung vom 29.12.1869, S. 1854). In diesem Berichte wird auch das Innere der Synagoge beschrieben und betont ״an der einen Wand hängt ein Gedenkblatt, dem Herrn Bürgermeister Mölling und dem Herrn Dr. Ahlmann in dankbarer Erinnerung von der jüdischen Gemeinde gewidmet“. An der Feier hatten auch viele christliche Mitbürger teilgenommen, für die Eintrittskarten —- gemäß einem Inserat — beim Gemeinde- Vorsteher zu erhalten waren. An die Feier schloß sich das Minchahgebet an. Den Abschluß bildete ein Festessen, an welchem 80 Gemeindemitglieder, das Musikkorps, der Architekt, einige 1 Über die Synagogeneinweihung berichteten auch das Kieler Correspondenzblatt Nr. 229 vom 29. 12. 1869 und der Altonaer MerOur Nr. 305 vom 30. 12. 1869;!