Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 76 (1932)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Zur Jahrhundertfeier der "Gottesdienstlichen Vorträge" von Zunz [Rezension]
- Date
- 1932-01-01
- Page
- Seite 202 (sequence 4)
- Language
- German
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202 Bernhard Heller Albeck meint, diese seien ursprünglich keine besonderen Abschnitte gewesen. Zusammen bietet Gen. R. 256 Prooemien, von denen 199 an Hagiographen, 37 an Propheten, 10 an den Pentateuch anknüpfen, eine darunter (Gen. R. 80, S. 955) gar an die Genesis selbst. 170 sind anonym, 3 stammen von Tannaiten (S. 17, S. 15 sind es zwei), die übrigen von Amoräern. Daß die Prooemien meist von einem Satz der Hagiographen ausgehen, wollte Rapoport daraus erklären, daß nach dem Minchagebet die Hagiographen nicht mehr gedeutet werden sollten, deshalb hätte man sie früher in die Vorträge eingeführt. Es fällt Albeck nicht schwer, diese Anschauung zu widerlegen. In Wirklichkeit sollte die Einheit der ganzen Schrift veranschaulicht werden. Durch die Erklärung des Wochenabschnitts, der Prophetenhaftara und des hagographischen Prooemions. Als Grundsatz galt Taanit 9a מי איכא מידי דכתיבי בכתובי דלא רמזי באורייתא, es könne. nichts in den Hagiographien geschrieben stehen, was die Tora nicht bereits angedeutet hätte. Genau wird der Aufbau der Prooemien untersucht. Einfache werden geschieden von zusammengesetzten, die sich auf 2, 3, 4 6; 7, selbst 8 Sätze erstrecken. Sechs Arten von Prooemien unterscheidet Albeck, gibt aber zu, es ließen sich weitere Schattierungen vornehmen. Der Abschluß der Abschnitte ist weniger regelmäßig, doch schließt der eine Abschnitt gerne mit dem Verse, mit welchem der folgende Abschnitt beginnen soll. Die Prooemien waren_ ursprünglich nicht immer als Prooemien entstanden: Amoräische Schriftdeutung wurde zuweilen nachträglich zum Prooemion umgestaltet. Hier wäre zu bemerken, daß auch der umgekehrte Weg gangbar war: Im Koheleth R. werden die Prooemien aus Lev. R., Pessikta, Gen. R., welche an Kohelethverse anknüpfen, nachträglich zu einfacher Koheleth-Aggada. Sehr dankenswert ist der Abschnitt über die Terminologie, welcher Bachers großes Werk: ,,Die Exegetische Terminologie“ nach dieser Seite hin ergänzt. Die Fachwörter sind meist hebräisch, unter aramäischem Einfluß geschaffen, seltener aramäisch. Bei גימטריא wäre auf מכין zu verweisen. Beachtenswert, daß scriptio plena nicht nur durch מלא, sondern auch durch שלם bezeichnet wird. Bei פשט wäre darauf hinzuweisen, daß es mehrmals durch משמע ersetzt wird.־