Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 76 (1932)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Zu Mose Cordovero [Nachricht]
- Date
- 1932-01-01
- Page
- Seite 170 (sequence 3)
- Language
- German
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170 G. Scholem der Leser der Abhandlung H.s annehmen muß. Es mag in diesem . Zusammenhang auch hervorhebenswert sein, daß der radikalste von H. angeführte ״pantheistische“ Satz in seinem Jugendwerk steht und, wie seine Formulierung beweist, von Gordovero fremden Quellen entnommen ist: enthält er doch wortwörtlich die klassische Formel der arabischen mystischen Theologie, das alte sufische j£> (hier 1!והוא הוא והכל אחד), die Gordovero dann später in sein eigenes systematisches Hauptwerk nicht mehr eingelassen hat. Das Spielen mit pantheistisch klingenden Formeln ist auch in der orthodoxesten katholischen Mystik lange üblich gewesen, freilich ist auf diesem Gebiet noch niemand so übereilt gewesen, auf Grund solcher stehenden Formeln Bonaventura oder die heilige Theresa für ,,Pantheisten“ zu erklären. Nach der Logik solcher Formeln wären im Sinne H.s alle jene zahlreichen Aristoteliker ״Pantheisten“, die Gott als die letzte Form aller Dinge definiert haben, eine Definition, die ja in der Tat auch pantheistischer Deutung fähig ist, und die man nur in die von G. benutzte Terminologie des ,,Wesens“ und der ,,Existenz“ zu übertragen braucht, um die von H. als ״unzweideutig“ in Anspruch genommenen Thesen zu erhalten. Zu 2. Ich muß gestehen, daß ich solche Logik nicht verstehe: H. behauptete in seinem Buche, es sei ״von nun an ein geflügeltes Wort geworden“, daß Gordovero kein ,,echter Kabbalist“ gewesen sei. Ich erlaubte mir in meiner Kritik darauf hinzuweisen, daß dieses ,,geflügelte Wort“ nur in der Phantasie des Herrn H., aber nicht dort existiert, wo man ,,geflügelte Worte“ gemeinhin sucht, in einer Reihe (oder selbst in einemI) der Quellenwerke. H. erwidert, er wolle mit dem geflügelten Wort, das er ,,wahrheitsgemäß“ so nenne, aber noch immer nachzuweisen unterläßt, nur eine ,,Realität umschreiben.“ Nun, ich wußte nicht, daß man das durch Zitierung ,,geflügelter Worte“ eigenster Produktion zu tun pflegt. Aber mehr: die ,,Realität“ ist, worauf ich schon nachdrücklich in meiner Kritik hingewiesen habe, gar keine Realität. ,,Man“ unterschied ,,nunmehr“ zwischen den ,,Verstandeskabbalisten“ und dem ,,Offenbarungskabbalisten, dem die Probleme der Kabbala auf übersinnliche Weise kundgetan worden sind.“ Wer ist ,,Man?“ Niemand anders als H. selbst, der die wirklichen Aeußerungen der Kabbalisten über die Differenz der zwei Systeme schon seit Jahren in solchem Sinne mißversteht und die Dinge in ganz unzulässiger Weise vereinfacht. Wäre es so, wie H. angibt, so wären ja also Chajim Vital, Lurjas Schüler, und alle seine Nachfolger, die Lurjas Lehren auch nur ,,interpretieren“, ,,Verstandeskabbalisten.“ Die Ansicht, daß nur der ein ,,echter“ Kabbalist sei, der die Offenbarung vom Propheten Elia erhalten hat, stammt nicht von den Kabbalisten, sondern von H. Auf derselben Linie liegt die ,,wissenschaftliche“ Definition des Unterschiedes der beiden großen Kabbalisten, die H. anbietet :sie ist ein ausgezeichnetes Beispiel für die begriffliche Unexaktheit, die ich seinen Arbeiten vorwerfe. Welcher bodenlose Begriff von Mystik als dem Unklaren ist es wieder, der in Gegensatz zum ״ratio-