Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 76 (1932)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Zu Mose Cordovero [Nachricht]
- Date
- 1932-01-01
- Page
- Seite 169 (sequence 2)
- Language
- German
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Erwiderung 169 alles Beliebige vorstellen kann, ohne klare Definition zu verwenden. Ich finde es keine fruchtbare Methode, wissenschaftliche Klarheit und Interpretation durch bloße Aneinanderreihung einiger, solcher Interpretation im höchsten Maße bedürftiger Sentenzen zu ersetzen. H. gibt auch jetzt keineswegs die von ihm verlangte Definition dessen, was er unter Pantheismus versteht; statt dessen bringt er wiederum ein Zitat, das ״unzweideutig“ sein soll! Nun, Anforderungen an begriffliche Schärfe können sehr verschieden sein: dieses Zitat eben ist ja selbst das Muster eines Satzes, dessen exakter theologischer Sinn alles andere als ,,u n zweideutig“ ist! Dieser Satz enthält an sich nichts, aber auch gar nichts, was nicht in wörtlich gleicher Formulierung in fast jedem religiösen oder religionsphilosophischen Traktat stehen könnte, und hier eben, wo für H. offenbar alles, was zu beweisen war, bewiesen ist, beginnt meines Erachtens nach erst das Problem, das für H. eben einfach nicht existiert: in welchem Zusammenhang erhalten solche durchaus vieldeutigen Aphorismen über ,,Gott in Allem“ u. dergl. eine orthodoxe und in welchem erhalten sie eine heterodoxe, ,,pantheistische“ Bedeutung? Auf die Notwendigkeit genauerer Begriffe zur Klärung solcher Probleme der kabbalistischen Theologie habe ich in den Ausführungen über ,,Pantheismus und Kabbala“ in meinem Artikel ,,Kabbala“ im (zum Druck stehenden) nächsten Band der Encyclopaedia Judaica hingewiesen und kann nur bitten, jene Ausführungen (hoffentlich erscheinen sie un־ gekürzt!) nachzulesen. Um auf das System Cordoveros einzugehen: im Paradox der Schöpfung als des an Gottes Grenzen Führenden und der grenzenlosen Gottheit hätte H. das wahre Problem dieser Mystik finden müssen, das ihm den echten Kern dieser Lehren enthüllt hätte, statt aus der selbstverständlichen theologischen Feststellung, daß Gott qua Gott keine Grenzen hat, die naive und zudem falsche Folgerung zu ziehen, daß der Autor solcher Sätze ein ,,Pantheist“ sei. Dann sind wir alle, Juda Halewi, Saadja und Maimonides selbst ,,Pantheisten.“ So geht es nicht, wenn man endlich einmal in der Kabbalaforschung über unbestimmte Schablonen hinaus kommen will. Und in der Tat führt die ganze Dialektik des Buches Elima sehr weit von jenem vulgären ,,Pantheismus“ weg, dafür freilich in die wirkliche Welt kabbalistischer Theologie desto tiefer ein: die Entstehung der ,,Medien “ (כלים) in der Emanation sprengt für Gordovero die von ihm in anderer Richtung gern festgehaltene Lehre von der Einheit der Substanz (und damit, philosophisch genau gesprochen, die Grundthese eines Pantheismus, der den Namen verdient), und es wäre eine der fruchtbarsten Aufgaben, der systematisch so interessanten und eindrucksvollen Deduktion Cordoveros bis zu ihren Wurzeln nachzugehen. Man wird dann finden, daß dieser Denker so wenig wie andere Mystiker, um kühne und problematische Konzeptionen verlegen ist, daß er einen deutlicheren Begriff von der Dialektik des Schöpfungs- Prozesses hatte als seinen Anthologisten aufgegangen ist, und daß seine Theologie der Immanenz des Göttlichen nicht so undifferenziert ist, wie