Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 76 (1932)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Benjamin Disraeli, Juden und Judentum
- Date
- 1932-01-01
- Page
- Seite 165 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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Benjamin Disraeli, Juden und Judentum 165 rechts Disraeli mit Gladstones Juventus Mundi. Jener ruft aus: “Hm! — Flippant!“ — Dieser: “Ha! — Prosy!“ So verstehen wir, daß der gute Christ Disraeli einen Roman wie Venetia schreiben konnte, eine Verherrlichung Shelleys und Byrons, der beiden Dichter, deren Namen im damaligen England, teilweise wohl auch heute noch, in der guten Gesellschaft Tabu waren. Die Verehrung Byrons übernahm er vom Vater, der mit dem Verfasser des Childe Harold, des Don Juan, aber auch der Hebrew Melodies persönlich bekannt war. Hierin wie in anderen Dingen erblickt Brandes (S. 353) eine Inkonsequenz und noch Schlimmeres. Weshalb? Wie sich Disraelis politischer Konservatismus stark von dem alten Toryismus unterschied, so nahm er auch die kirchliche Orthodoxie nicht mit Plaut und Haaren in sich auf; er bekämpfte den Ritualismus scharf. Freilich war er kein streng wissenschaftlicher Kopf und Denker, hatte er nicht die übliche Schulbildung der Vornehmen durchgemacht, Harrow-Eton, Cambridge-Oxford, wohl aber auf andere Weise sich großes Wissen angeeignet, und — er besaß die Intuition “una intelligence intuitive“ (Louis Cazamian a. a. O. S. 315). Er war kein Aktenmensch und Pedant und machte sich über die old stayers and red tapists lustig; Intellekt und Originalität galten ihm mehr, auch bei den Ministern, als Erfahrung und Würde im Amt. Brandes (S. 349) verdenkt ihm, daß ihm die Bibelkritik und der Begriff der Entwicklung, der gemeinsame Zentralgedanke der Philosophie und der Naturwissenschaften fremd waren oder er sich ihnen gegenüber ablehnend verhielt. “There is no belief that the Teutonic rebellion of this Century against the Divine truths entrusted to the Semites will ultimately meet with more success than the Celtic insurrection of the preceding age . . . The Divine truths are found to be not less prevalent than before, and simply because they are divine . . . The documents will yet bear a greater amount both of erudition and examination than they have received; but the word of God is eternal, and will survive the spheres“ (General Preface XVI, abgedruckt als Einleitung zu Lothair Hughenden ed.). Wer hat schließlich richtiger gesehen? Hier haben wir ein typisches Beispiel für die Wandlung der Kritik. Brandes, ein Kind der zweiten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts, des kritischen