Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 76 (1932)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Benjamin Disraeli, Juden und Judentum
- Date
- 1932-01-01
- Page
- Seite 158 (sequence 7)
- Language
- German
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158 Joseph Caro Der Vater trat, wenn auch nicht aus dem Judentum, aus der Gemeinde aus, mit der ihn nichts mehr verband. Isaak Disraeli, ein gelehrtes Haus, , würde heute der äußersten Reform zugereehnet werden. Beweis dafür schon der Satz: ,,Ein Volk, das seine Gesetze für unveränderlich hält, wird am Ende *so weit gelangen, daß es Gesetze für vergangene Zustände hat und für die bestehenden keins. Alle. Gesetze, welche ihren Zweck verloren haben, sind damit aufgehoben, und der Wechsel der Umstände kann Gesetze zu einem Hindernis für den Zweck ihrer Stiftung selbst machen" (Geist des Judentums S. 233). Er schrieb mehrere Bücher über englische Geschichte und Literatur, die seinerzeit eine günstige Beurteilung. fanden, vom Sohne natürlich weit überschätzt wurden, jetzt aber nur noch in Verbindung mit diesem berühmten Sohne erwähnt werden. Für uns ist sein oben angeführtes Buch The Genius of Judaism (1833) interessant. Ich vermute stark, und es wäre bei dem innigen Verhältnis zwischen Vater und Sohn nicht wunderlich, daß Benjamin einen großen Teil seines jüdischen Wissens diesem Buch verdankt. Man vergleiche z. B., was er im Tancred (II, 152 f. Tauchnitz ed.) übers Laubhüttenfest sagt, es deckt sich fast mit den Worten Isaaks : ,,Orientalische Gewohnheiten, wie die häufigen Waschungen und das Wohnen in Laubhütten während des kühlen Herbstes, wären als religiöse Cefemonien in kalten oder selbst gemäßigten Zonen nicht vorgeschrieben worden" (S. 234). Und• wenn sich Isaak auch als Jude fühlte, gelegentlich auch für das Judentum warme Worte fand, so stand er ihm doch im ganzen kühl gegenüber; das zeigt sich bei der Taufe der Kinder. Wie Benjamins Umgüng beschaffen war, hören wir von ihm in einem Briefe an Mrs. Brydges Williams in Torquay, die 'Witwe des Obersten Williams, eine geb. Mendez da Costa aus Bath, aus bekannter portugiesischer Familie. Sie war eine große Verehrerin Disraelis, machte ihn zum Haupterben ihres nicht unbeträchtlichen Vermögens und äußerte den Wunsch, einst neben ihm ihr Grab zu erhalten. Da lesen wir: ‘T was not bred among my race, and was n’urtured in great prejudice against them." Aber trotzdem, und das ist die Ironie oder die Fügung, der christliche Sohn wurde in gewissem Sinne ein Pionier des Judentums, während der jüdische Vater sein sehr lauer Vertreter war. T־