Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 76 (1932)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Beiträge zur Erklärung der Esra-Apokalypse und zur Rekonstruktion ihres hebräischen Urtextes
- Date
- 1932-01-01
- Page
- Seite 122 (sequence 2)
- Language
- German
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122 A. Kaminka ist, existiert nicht mehr und nur geringfügige־ Spuren sind von ihr als Zitate geblieben. Man ist darauf angewiesen, aus dem Wortlaut im Lateinischen (dabei hat diese Überlieferung in der Vulgata und in den Handschriften viele Divergenzen), im Syrischen, Äthiopischen, Armenischen und in zwei arabischen Übersetzungen den Sinn zahlreicher rätselhafter Stellen zu erraten. Die Frage nach der Ursprache ist bei der Interpretation des Buches und bei der Würdigung seines Inhaltes nicht bloß von formalem, philologischen Interesse. Sie berührt sehr wesentlich den logischen Zusammenhang der Gedanken und darüber hinaus das Problem der Entstehungszeit des Buches. Wenn man mit einiger Wahrscheinlichkeit den hebräischen Wortlaut eines durch Lesefehler oder mangelhaftes Verständnis von den alten Übersetzern entstellten Satzes rekonstruiert hat, erweisen sich natürlich auch alle neueren Übersetzungen und die an den vermeintlichen Sinn geknüpften Schlußfolgerungen als verfehlt. Wenn dabei z. B. eine Sentenz (846), die glatt und Idar schien — wenn sie auch in den Zusammenhang absolut nicht hinein paßte — sich als die korrumpierte Wiedergabe eines ganz anders gemeinten und vermutlich schon von H i 11 e 1 aus unserem Buche zitierten Ge- -dankens erweist, so erhält der Ausspruch ein anderes Licht und man ist zugleich gezwungen, den Text für bedeutend älter als die (bis jetzt für die Abfassung zumeist angenommene) Zeit Hadrians zu halten, auch die Beziehung auf die Zerstörung des zweiten Tempels fallen zu lassen und — was zugleich aus anderen Gründen sich auf drängt — wenigstens die Grundschrift um Jahrhunderte höher bis in die persische Zeit hinaufzurücken. Oder wenn unter den Zeichen für die kommenden großen Dinge das innerlich durch nichts motivierte ,,Träufeln des Blutes vom Holze“ angeführt wird, von den Kirchenvätern auf die Kreuzigung bezogen, und von uns mit gutem Grunde angenommen werden kann, daß nur eine fehlerhafte Wiedergabe von Hab 2n וכפים מעץ יעכנה daran Schuld ist {amd der LXX als aSfia und וכפים als ונטפ oder, unter Einfluß des Targum, ושיפא als וטיפה gelesen), haben wir ein mysteriöses Rätsel weniger und der Gedankengang wird verständlicher. Stark berührt wird aber durch die Ermittlung des Urtextes auch die Komposition des Buches. Denn das Hebräische, auf welches die zahlreichen syntaktischen und stilistischen Eigentüm-