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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1932-01-01 · Heft 2 · p. Seite 103

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
76 (1932)
Issue
Heft 2
Article
Die Bedeutung der Bibel für die Weltanschauung Herders und Goethes
Date
1932-01-01
Page
Seite 103 (sequence 7)
Language
German
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Die Bedeutung der Bibel für die Weltanschauung Herders und Goethes 103 wirksam sein kann, so können wir nns bei Betrachtung des Welt» gebäudes in seiner weitesten Ausdehnung der Vorstellung nicht erwehren, ״daß dem Ganzen eine Idee zu Grunde liege, wonach Gott in der Natur, die Natur in Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit schaffen und wirken möge/‘ (Zur Naturwissenschaft im Allr gemeinen). Erkenntnis dieser Ideen Gottes bedeutet nun für Goethe die eigne Naturerkenntnis, die Erkenntnis der Gesetze ״geprägter Form, die lebend sich entwickelt.“ Was kann der Mensch im Leben mehr gewinnen, Als daß sich Gott-Natur ihm offenbare, Wie sie das Feste läßt zu Geist verinnen, Wie sie das Geisterzeugte fest bewahre! Aber auch die Welt der Geschichte wird nun Goethe zur Schau Gottes. Allerdings nicht die Welt der Politik, des Krieges und der Wirtschaft. ״Das eigentliche, einzige und tiefste Thema der Welt- und Menschengeschichte, dem alle übrigen untergeordnet sind, ist der Konflikt des Unglaubens und Glaubens. Alle Epochen, in welchen der Glaube herrscht, unter welcher Gestalt er auch wolle, sind glänzend, herzerhebend und fruchtbar für Mitwelt und Nachwelt. Alle Epochen dagegen, in welchen der Unglaube, in welchen Formen es sei, einen kümmerlichen Sieg behauptet, verschwinden vor der Nachwelt, weil sich niemand gern mit Erkenntnis des Unfruchtbaren abquälen mag.“ (Noten und Abhandlungen zum West-östlichen Divan). Als eine Welt des Glaubens ist ihm der Orient heiliger Boden. So heißt es in den Noten zum West-östlichen Divan: ״Und so dürfte Buch für Buch das Buch der Bücher dartun, daß es uns dafür gegeben sei, damit wir uns daran wie an einer zweiten Welt versuchen, uns darin verirren, aufklä,ren und ausbilden mögen.“ Die Welt der Religion wird ihm nun zum, Urphänomen des menschlichen Geistes. In der pädagogischen Provinz der Wanderjahre bestimmt Goethe die U r r e 1 i g i o n, die allen besonderen Religionen zugrunde liegt, wie die Urpflanze das Urphänomen der Pflanzenweit ist. Die Religion entstammt der. Ehrfurcht.. ״Ungern entschließt sich der Mensch zur Ehrfurcht, oder vielmehr er

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