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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1932-01-01 · Heft 2 · p. Seite 99

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
76 (1932)
Issue
Heft 2
Article
Die Bedeutung der Bibel für die Weltanschauung Herders und Goethes
Date
1932-01-01
Page
Seite 99 (sequence 3)
Language
German
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Die Bedeutung der Bibel für die Weltanschauung Herders und Goethes 99 Kanaans als des Landes der Verheißung, eine Kindespoesie schwächer Menschen vom väterlichen höchsten Wesen, die sich an seinen Bund erinnern, auf sein gegebenes Wort beziehen und ihr Herz durch das Vertrauen auf Gott stärken. Daher die Wirkung dieser Poesie auf alle zarten Kindesherzen und reine Heldenseelen, insonderheit zur Zeit der Not. Moses war die flammende Berg-, Feuer- und Wolkensäule, die vor Israel zog; der Engel des Angesichtes Gottes. Das Wort Gottes war die •Seele der Poesie der Propheten. Gott legte auf ihre Lippen die Botschaft und hauchte sie mit göttlichem Feuer an. Was verglichen mit anderen Völkern die Aussprüche der Dichter Israels an Abwechlung, Einkleidung, an Spielen: der Willkür verlieren, gewinnen sie an innig geglaubter Wahrheit, an göttlicher Würde, an heiligem Eifer. Darum reden sie die Sprache Gottes, geflügelte Bilderrede, Sprüche der Weissagung, welches die höchste Dichtkunst ist. (Vom Geist der ebräischen Poesie.) Dadurch aber, daß die Bibel Poesie ist, hat sie für Herder nicht aufgehört Wahrheit zu sein. Wohl besitzt sie keine dogmatische Wahrheit des Buchstabens, ja, selbst die geschichtliche Wahrheit einzelner Erzählungen läßt Herder in der Schwebe. Aber so gewiß Poesie keine Erfindung willkürlicher Phantasie, sondern Sprache des Herzens ist, besitzt die Bibel die Wahrheit menschlichen Empfindens in der Urkraft geschichtlich individueller Ursprünglichkeit und ist darum für immer das heilige Buch der Menschheit. In einem Zeitalter der Erforschung der geschichtlichen Grundlagen der europäischen Kultur entdeckt Winkelmann die Griechen, Herder die Hebräer als Schöpfer der kulturellen Grundlagen Europas. So ist Herder der ,,Winkelmann der hebräischen Poesie“ und rückt er die Bibel in eine Linie mit den Literaturen anderer Völker, zugleich in ihrer Individualität ihre ewige Größe erschließend. ' Aber auch als Herder in Weimar unter, dem Einfluß Goethes Natur und Geschichte als gesetzliche Einheit zu sehen gelernt hatte, bleibt ihm die Geschichte und nicht bloß die Natur Offenbarung Gottes. Die Kulturen der Völker bilden eine Kette und verbinden die Völker zu immer stärkerer geistiger Einheit. Für dieses Reich der Menschheit besitzen die heiligen Schriften des Judentums, so r

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