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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1931-01-01 · Heft 6 · p. Seite 474

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
75 (1931)
Issue
Heft 6
Article
[Rezension]
Date
1931-01-01
Page
Seite 474 (sequence 3)
Language
German
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474 Scheftelowitz, Die Bewertung der aramäischen Urkunden von Assuan und Elephantine 1923, 9). Auch im übrigen Aegypten ist jüdischer Tieropferkult nicht nachzuweisen. Der von Onias, dem Enkel des Hohepriesters Simon des Gerechten, um 150 v. Chr. erbaute Tempel zu Heliopolis (unweit Theben), wo viele Juden wohnten, glich äußerlich nicht dem jerusalemischen Tempel. Statt des siebenarmigen Leuchters, ließ er an der Decke mittels einer Kette eine goldene Hängelampe anbringen. Nur der Altar und die Weihgeräte hatten eine den jerusalemischen Tempelgegenständen äanliche Form (Josephos, Bell. Jud. VII 10, S). Daß auf diesem einen Altar außer Weihrauch auch Tiere geopfert wurden ist schwerlich anzunehmen, da ja nur von einem einzigen Altäre die Rede ist und das biblische Verbot, außerhalb Jerusalems Tieropfer darzubringen, wohl von dem Enkel des Simon des Gerechten beachtet worden ist. Hat er doch sogar bei dem Tempelbau die alte Tradition berücksichtigt, gemäß der es untersagt ist, eine genaue Nachbildung von dem jerusalemischen Tempel und dem Leuchter zu machen (Aboda zärä43a Bäraitä). Demnach haben die ägyptischen Juden seit dem Jahre 410 v.Ghr. schwerlich dem Tieropferkult gehuldigt. Von den ägyptischen Juden, die in der hellenistischen Zeit rege Beziehungen zu Jerusalem pflegten und die traditionelle Auslegung der biblischen Gebote kannten, können die Falaschas, welche noch heute Tieropfer darbringen, nicht abstammen, da sie die mündlich überlieferte Lehre nicht kennen. Die Falaschas, die nur von der Zerstörung des 1. Tempels Kenntnis haben, können keineswegs Abkömmlinge der gleich nach der Zerstörung des Tempels durch die Babylonier aus Palästina nach Aegypten ausgewanderten Juden sein, da ihre Sprache dann hebräische und nicht griechische Elemente aufweisen würde. Ferner lassen ihre abweichenden religiösen Bräuche kein so hohes Alter erkennen. Einerseits benutzen sie entsprechend dem rabbinischen Gesetze besonderes Pessachgeschirr, andererseits wird der Fasttag Asterio, das dem bibl. Jomkippur entsprechen soll, im November gefeiert, hingegen das siebentägige Bala Mestelet, das mit dem Sukkotfest verglichen wird, im Monat Oktober. Diese beiden Feste haben überhaupt keine Aehnlichkeit mit den biblischen. Während das Jomkippur entsprechend Lev 23a8 und Ex 1630 ein Tag der Sündenreinigung vor Gott sein soll und erst nach den späteren Rabbinen auch dazu bestimmt ist, daß man sich an diesem Tage zugleich mit den Mitmenschen, denen man ein Unrecht zugefügt hat, aussöhnen solle (Misna Jömä 8, 9), erinnert der Fasttag Asterio der Falaschas an die Klagen Jakobs um seinen verlorenen Sohn und dient daneben zur Aussöhnung mit seinen Mitmenschen (entsprechend dem spätjüdischen Gebot). Ferner ist dieser Tag mit einem primitiven, die Fruchtbarkeit fördernden Ritus verknüpft: Die Aufführung von pomphaften Tänzen von Männern und Frauen, die auch bei den Festen der christlichen Abessinier eine Rolle spielen (vgl. II. A. Stern a. a. O. S. 163 f.), und das Ausstreuen von Getreidekörnern auf die Erde und die Strohdächer. Obwohl die Falaschas den Pentateuch in altäthiopischer Uebersetzung besitzen und stets daraus entnehmen konnten, daß weder ihr Asterio-Fest dem bibl. Jomkippur noch das Bala Metselet dem bibl. Sukkot entspricht und daß nicht das Fassika, sondern das Roshassänäh das neue Jahr einleitet, halten sie sich an ihre alten, ererbten Ueberlieferungen, die häufig in schroffem Widerspruch zu den Lehren des Pentateuch stehen. So haben sie zum Beispiel über die Entstehung des ersten Menschen eine von der Bibel abweichende Ueberlieferung: ״Vierzig Tage, bevor Gott das Weltall erschuf, bildete er zunächst die körperliche Form Adams aus Lehm und ließ sie seelenlos an der Schwelle des zukünftigen Paradieses liegen. Nachdem Gott die gesamte Schöpfung hervorgerufen hatte, sah er den seelenlosen Körper Adams. Da er nicht wußte, was er mit ihm anfangen sollte, fragte er die Engel: ,,Was sollen wir mit ihm tun?66 Und diese antworteten: ,,Gib ihm eine Seele.66 So wurde Adam ein lebendiges Wesen (Stern a. a. O. S. 247). Die Exision der Mädchen, die den Israeliten und sonstigen semitischen Völkern unbekannt ist, hingegen bei allen Kaffitscho-Stämmen und den Masai-Negern vorkommt, ist bei den Falaschas üblich. Für sie sind also manche geschriebene Lehren der Bibel durch ihre besonderen, festen Ueberlieferungen aufgehoben worden ähnlich wie bei den Christen in den ersten Jahrhunderten, trotzdem sie die Tora als göttliche Offenbarung anerkannten. Die Vorstellung von dem künftigen Messias, die die Falaschas haben, kommt in den acht

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