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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1931-01-01 · Heft 6 · p. Seite 473

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
75 (1931)
Issue
Heft 6
Article
[Rezension]
Date
1931-01-01
Page
Seite 473 (sequence 2)
Language
German
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473 den christlichen Abessiniern werden sie als Juden bezeichnet, sie selbst aber nennen sich teils Falaschas, teils Beta-Israel. Weil sie sich den im 14. Jhdt. erstarkenden semitischen Herrschern des christlichen Abessiniens nicht unterwerfen wollten, wurden sie im 15., 16. und im Anfang des 17. Jhdts. blutig verfolgt. Viele Falaschas gingen in diesen Zeiten der blutigen Verfolgung, um sich der gewaltsamen Bekehrung zum Christentum zu entziehen, freiwillig in den Tod. Die Falaschas, die fast durchweg Handwerker sind, wohnen heute vornehmlich in den Hochgebirgen von Semien, wo übrigens auch die dort ansässigen semitischen Tigrees und Amharas sich zur Falascha-Religion bekennen. Infolge ihrer Abschließung durch Heiraten innerhalb ihrer Gemeinschaft und hartnäckiges Festhalten an den überkommenen Gebräuchen, haben sie ihren Glauben durch die Jahrhunderte bewahrt. Seit 70 Jahren waren durch christliche Missionare der englischen Mission eine größere Anzahl Falaschas zum Christentum bekehrt worden. Seitdem Faitlowitsch unter den Falaschas seine Tätigkeit entfaltet hat, kommen kaum noch Bekehrungen vor. Was die Entstehung der Falascha-Religion betrifft, so nimmt F. J. Biber, Kaffa, Münster 1920 I 71 f., an, daß die etwa im 7. Jhdt. v. Chr. aus Arabien nach Aethiopien eindringenden semitischen Habeschi jüdische Kriegsgefangene mitgebracht hätten, die sich dort mit Agau-Frauen verheiratet hätten. Die Nachkommen jener aus solchen Ehen hervorgegangener Kinder seien die Falaschas. Ferner wären wohl auch ägyptische Juden bei den Agau schon im 3. Jhdt. v. Chr. als Sendboten tätig gewesen, welche unter ihnen den ägyptischen Mosaismus lehrten, durch den sich die Falaschas noch heute von der übrigen Judenschaft unterscheiden. Aehnlich ist auch die Auffassung von K. Rathjens ״Die Juden in Abessinien‘6. Hamburg 1921, und von Faitlowitsch. Bei einer genauen Durchprüfung des Materials bin ich in meinem Aufsatze: ״Sind die Falaschas Juden“ (MGWJ 1924, 244 ff.) zu dem Ergebnis gelangt, daß sie nicht Abkömmlinge von Juden sind, aber ihre Religion sich an die des Judentums stark anlehnt. Die Hypothese des sei. Gberrabbiners Chajes in Wien, daß die Stammväter der Falaschas Juden gewesen wären, die aus Assuan und Elephantine nach Abessinien ausgewandert wären und dort auch einheimische Stämme für den Uebertritt gewonnen haben, ist unhaltbar. Wann sollen sie ausgewandert sein? Wenn dies vor der Zerstörung des Tempels durch die Aegypter, die im 14. Regierungsjahre des Perserkönigs Darius II. geschah, gewesen wäre, so hätte man erwartet, daß die Sprache der Falaschas noch einzelne aramäische und persische Lehnworte enthielte. Zeugt doch noch z. B. die heutige finnische Sprache von dem Einfluß des Germanischen auf sie in vorhistorischer Zeit oder das Spanische von dem des Westgotischen und Maurischen. Man hätte ferner erwartet, daß die Falaschas ebenso wie ihre Stammväter r e i n hebräische Namen tragen würden, zumal da der altjüdische Brauch, die Kinder nach ihren verstorbenen Verwandten zu bezeichnen, von den Juden in Assuan und Elephantine geübt wurde. Hingegen bezeugen die religiösen Ausdrücke der Falaschas, ferner ihre Personennamen und ihre hl. Schriften, daß sie dem griechischen Einfluß der alexandrinisch-hellenistischen Juden einst ausgesetzt waren, der frühestens im 2. Jhdt. v. Chr, stattgefunden haben kann. So fußen die 8 in altäthiopischer Sprache geschriebenen Bücher der Bibel auf der Septuaginta, da sie nicht nur Gräzismen aufweisen, sondern auch in der Reihenfolge der Bücher (Pentateuch, Josua, Richter, Rut) mit der Septuaginta übereinstimmen. Ferner ist selbst der Name für Sabbat (Sanbat) und für den Messias (Theodoros) hellenistisch. Wenn sie nicht nur das Hebräische als Gebetsprache aufgegeben, sondern auch die alten von Geschlecht zu Geschlecht vererbten hebräischen Namen vergessen haben, warum haben sie dafür hellenische und nicht echt äthiopische oder Agau-Ausdrücke eingesetzt. Diese aus dem Griechischen stammenden religiösen Ausdrücke, die als hl. Ueberlieferungen von den Falaschas fortgeerbt werden, zeugen von der Zeit des Ursprungs ihres Glaubens. Demnach müßten ägyptische Juden erst in der alexandrinisch hellenistischen Zeit, frühestens im 2. Jhdt. v. Chr. nach Abessinien eingewandert sein. Die Tieropfer der Falaschas und die Bauweise ihrer Tempel, die in ihrer Anordnung der dreifachen Einteilung des jerusalemischen folgt, kann nicht von den ägyptischen Juden stammen. Seit 410 v. Chr. wurden keine Tieropfer mehr im Tempel zu Elephantine dargebracht (vgl.

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