Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 75 (1931)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Das jüdische Schulwesen in Sowjetrußland
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 458 (sequence 4)
- Language
- German
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458 Das Erscheinen der Lehrbücher geht parallel mit dem Anwachsen des jüdischen Schulwesens. Dies kann man aus einer Zusammen- Stellung der Erscheinungen auf dem jüdischen Büchermarkt in Rußland ersehen, aus der wir nur die uns hier interessierenden Gebiete (Lehrbücher, Methodik und Kinderliteratur) herausgreifen. Die Zahl der Lehrbücher ist in den vier Jahren auf das Vier- und Fünffache und der Umfang der Kinderliteratur auf das Drei- und Vierfache gestiegen. Im Jahre 1927 sind von der ersten Gruppe 51 Bücher und von der zweiten 39 erschienen1. Die Auflagehöhe der Lehrbücher ist letztens stark gestiegen, so daß nunmehr ein Lehrbuch in 25 000—35 000 Exemplaren gedruckt wird. In dem Fünf jahresplan der gesamten Buchproduktion2 ist auch den jüdischen Büchern3 und damit auch den Lehrbüchern ein weit breiterer Raum eingeräumt worden. Noch schlimmer als um die Lehrbücher stand es um die Lehrlcräfte, die ja eine jahrelange Vorbereitung brauchen. Aus der Vorrevolutionszeit konnten keine Lehrer, die jiddisch unterrichten konnten, übernommen werden, und die nach der Februarrevolution in der Ukraine und anderen Gebieten entstandenen Lehrerseminare lösten sich infolge des Bürgerkrieges auf. Man mußte daher in den jüdischen Schulen entweder die Lehrer der allgemeinen Schule übernehmen, die aber nur mangelnde Kenntnis des Jiddischen aufzuweisen hatten oder Kandidaten mit jiddischen Kenntnissen ohne pädagogische Vorbereitung anstellen. Unter diesen zwei Mängeln hat die jüdische Schule noch bis jetzt zu leiden. So hatten von 374 Lehrern, die im Jahre 1925 in Weißrußland befragt wurden, nur 14 Proz. spezielle pädagogische Ausbildung und von 163 Lehrern, die die Kiewer Fortbildungskurse besuchten, 24. Von anderer Seite klagen die jüdischen Zeitungen über die geringe Kenntnis der. jiddischen Sprache5 unter den Lehrern. Um ihre Tauglichkeit zu heben, werden — hauptsächlich während der Ferien — eine Reihe von Fortbildungskursen gehalten. Die eigentliche Lehrerausbildung liegt den Seminaren (Pädag. Technikum) und den jüdischen Abteilungen an den pädagogischen Fakultäten mehrerer Universitäten ob. Im akademischen Jahr 1926/27־ existierten in der Ukraine und in Weißrußland 7 Lehrerseminare mit 1077 Hörem. Zusammen mit den jüdischen Abteilungen der Universitäten dieser zwei Bundesrepubliken entlassen diese jährlich etwa 300 Lehrer, wodurch aber nur etwa 25 Prozent des Bedarfs gedeckt werden6. Es werden daher bei den Lehrerseminaren (Päd. Technikum) parallele Kurse wie auch spezielle Vorbereitungskurse für Lehrer eingerichtet. Dann wurden auch Versuche gemacht, jüdische Lehrer aus dem Auslande zu holen. Die Lehrer für die höhere Schule und für die Lehrerseminare werden 1 Eines. 1928, Nr. 85. 2'Vgl• Th. Seibert a. a. O. S. 165, 295. 3 Die jüdischen Verlagssektionen des Staats Verlages veröffentlichten an jüdischen Büchern: Moskau . ..... 1928: 200 Bogen, vorgemerkt für 1932: 1000 Bogen Minsk ....... 1928: 50 ״ 1932:2000 ״ ״ ״ Charkow. . .... 1928:200 ״ 4000 :1932 ״ ״ ״ 4 N. Gergel: Die Lage vun die Jiden in Rußland. Warschau 1929. S. 224. 5 Emes vom 19. Januar 1926 und vom 21. August 1927. 6 Emes. 1926. Nr. 53.