Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 75 (1931)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Das jüdische Schulwesen in Sowjetrußland
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 457 (sequence 3)
- Language
- German
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457 jüdische Bevölkerung selbst unterhalten wurden. Die Unterrichtsspräche dieser Schulen war russisch, obwohl etwa 92 Prozent der Kinder Jiddisch als Muttersprache angegeben hatten. Erst als zu Beginn des Krieges die jüdische Gesellschaft Kindergärten und Schulen für die Kinder der von den Kriegsschauplätzen Geflüchteten eröffnete, führte man dort Jiddisch als Unterrichtssprache ein. Nach der Februarrevolution schritt man in der Ukraine wie in anderen Gegenden Rußlands zur Gründung jüdischer Schulen, bzw. man versuchte, die jiddische Unterrichtssprache in einem Teil der Regierungsschulen einzuführen. Von jüdischer Seite selbst wurden damals in der Ukraine Schulen mit jiddischer (Kultur-Liga) wie mit hebräischer Sprache (Tarbuth) begründet. Der beginnende Bürgerkrieg zerstörte zum großen Teil alle diese Gründungen und hinderte auch die Bolschewisten an der Ausführung ihrer Kultur- Programme. In diesen Jahren der Unruhen und des militärischen Kommunismus entstanden — hauptsächlich durch die Mittel des amerikanischen Joint und anderer jüdischer Institutionen — eine Reihe Kinderheime und -häuser. Ihre Aufgabe war aber weniger die Erziehung als vielmehr die Rettung der jüdischen Waisen und armen Kinder vor dem Hungertode. In den Jahren 1920—24 sollen etwa 80 000 jüdische Kinder in diesen Anstalten untergebracht gewesen sein. Obwohl nun diese Organisationen als Grundstock für die jüdischen Schulen dienen konnten, mußte man doch bei Ein- Setzung der neuen nationalen Schulpolitik von Grund aus neu beginnen. Wie schon gesagt, waren die früher erwähnten Einrichtungen mehr Speisungsals Unterrichtsanstalten. Der nun entstehenden jüdischen Schule fehlte sowohl Praxis wie Lehrmittel, Lehrer, ja sogar Räume. Das letztere war dann der Fall, wenn nicht die ganze Schule, sondern nur ein Teil der Kinder jüdisch war, da für diese eine besondere Schule gegründet werden mußte. An Lehrbüchern fehlte es der jüdischen Schule überhaupt; es waren ja hier nicht einmal wie bei der nicht jüdischen Schule Lehrbücher aus früherer Zeit vorhanden, die man hätte übernehmen können. Die außerhalb Rußlands erscheinenden Bücher waren bald durch ihre nichtkommunistischen Tendenzen, bald durch die Reform der Schreibung in Rußland (phonet. Schreibung der hebr. Worte u. a.) für diese Schulen unbrauchbar. So mußte erst alles neu beschafft werden. Jüdische Lehrbücher und Kinderliteratur in Rußland in den Jahren 1923—261. 1923 1924 1925 1926 Titel Druckbogen Auflage in 1000 Titel Druckbogen Auflage in 1000 Titel Druckbogen Auflage in 1000 Titel Druckbogen Auflage in 1000 Lehrbücher und Methodik. . . 11 92 *19 18 192 98 36 254 196 42 402 233 Kinder- und Jugendliteratur 6 9 8 6 14 14 13 48 53 18 34 64 1 Emes. 1929. Nr. 104 vom 11. Mai 1927.