Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 75 (1931)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Vulliauds Übersetzung des Sifra Di-Zeniutha aus dem Sohar und andere neuere Literatur zur Geschichte der Kabbala [Rezension]
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 453 (sequence 10)
- Language
- German
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45S I fl daß über Kordoveros Stellung in der Geschichte der Kabbala auch nach H.s Versuch das meiste noch zu sagen, bleibt. Die bisherigen Begriffe sind viel zu allgemein und verschwommen, und H. ist seiner ganzen Anschauungsweise nach nicht der Mann, schärfere und exaktere zu bilden. Auch zu den historischen und bibliographischen Angaben wäre viel zu bemerken. Unverständlich ist, um bei dieser Gelegenheit einen alten und immer wiederkehrenden Irrtum zu berichtigen, warum H. ebenfalls behauptet, Kordovero polemisiere gegen die Lehre des David ben Simra (רדב״ו) über das Wesen der Sephiroth, und sich wundert, wieso in den uns vorliegenden Schriften R. Davids gerade die entgegengesetzte Meinung vertreten sei. H. will das damit erklären, daß David ben Simra erst auf Grund von Kordoveros Kritik seine Meinung geändert habe. Der ganze angebliche Wider- Spruch ist aber hinfällig, da Kordovero niemals von R. David ibn Simra spricht, wie immer wieder fälschlich hingeschrieben wird, sondern von einem R. David schlechthin, dessen Nichtidentität mit dem רדב״ז schon damit bewiesen ist, daß Kordovero ihn (im Jahre 1548) an einer Stelle des פרדס (Ed. princ. Bl. 23a, Kolumne 2) ausdrücklich als Verstorbenen bezeichnet, während David ihn Simra, wie durchaus feststeht, 1573 gestorben ist1 * * *, d. h. also Kordovero sogar überlebt hat. Es handelt sich also um einen uns sonst unbekannt gebliebenen wesentlich älteren Kabbalisten, dessen מגן דוד gar nichts mit der schon 1535 verfaßten gleichnamigen Schrift Ibn Simras zu tun hat und das sich übrigens im Jahre 1833 handschriftlich bei Isaak Reggio befand, wie er in seinen Noten zu Elia del Medigos בחינת הדת S. 45 bezeugt. Der Irrtum und Hinweis auf den angeblichen Widerspruch stammt nicht von Leon Modena, sondern von Salomo Rosenthal, dem anonymen Autor der Noten in der Erstausgabe des ארי נוהם von 1840V Sehr anfechtbar sind die Behauptungen H.s (S. 106) über ein angebliches ,,geflügeltes Wort“ der ״späteren Kabbalisten“, Kordovero sei ein Kommentator und Forscher, aber kein eigentlicher Kabbalist gewesen. In der ganzen kabbalistischen Literatur wird man vergeblich nach diesem geflügelten Wort suchen, das seinen Ursprung einem völligen Mißverständnis eines kosmogonischen Terminus technicus der lurjanischen Mystik verdankt, das freilich schon mehrfach in der historischen Literatur auf getaucht ist. Bestimmte Stufen des Weltprozesses werden nämlich von Isaak Lurja als עולם התוהו d. h. Welt des Chaos bezeichnet, im Gegensatz zu andern, die er עולם התקון Welt der Ordnung nannte. Die kabbalistische Doktrin über die erstere sollte nach einer gutbezeugten Aeußerung Lurjas selbst auch der älteren Kabbala bekannt gewesen sein, während die Vor- 1 Der Autor des Artikels David ben Simra in der Encyclopaedia Judaica erweckt den ganz irrigen Eindruck, als ob dies Todesjahr nicht sicher wäre, sondern eine Hypothese von Graetz. In Wirklichkeit haben Brüll (1m Central- Anzeiger für jüdische Literatur 1891 S. 20) und Tauber (in Luncz5 ידושלם 1919) aus zeitgenössischen Zeugnissen das Datum festgestellt. a Eine Ausgabe Amsterdam 1613, die dem Leon Modena Vorgelegen habe, wie Rorodezky 8. 60 schreibt, existiert gar nicht. Das Ganze ist ein Druckfehler in den ״Noten Rosenthals (statt 1713), den H. nicht durchschaut hat.