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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1931-01-01 · Heft 6 · p. Seite 452

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
75 (1931)
Issue
Heft 6
Article
Vulliauds Übersetzung des Sifra Di-Zeniutha aus dem Sohar und andere neuere Literatur zur Geschichte der Kabbala [Rezension]
Date
1931-01-01
Page
Seite 452 (sequence 9)
Language
German
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452 Spruch zu den von H. gebrachten Aussprächen überschwenglichen Charakters, daß H. sie wenigstens hätte diskutieren müssen. Die Paradoxe Kordoveros hätten H. darauf hin weisen müssen, daß hier ein Problem liegt. Wenn ein Autor בריאה Schöpfung in kühner Etymologie als den ,,außerhalb der Grenzen der Gottheit“ gelegenen Bereich definiert, wenn er betont, daß ״Gott zwar alles Wirkliche, nicht aber alles Wirkliche Gott ist“ (eine ausgezeichnete Formulierung K.s!), wenn sich ihm die Einheit der Substanz, wo er sie exakter umschreibt, zur Einheit des Kausalnexus verflüchtigt, so muß erst noch definiert werden, in welchem Sinn er Pantheist heißen dürfe. Und so an andern Punkten: die echt und tief theosophische Lehre von einer Physis der Gottheit — m. E. der eigentliche Unterscheidungspunkt der theologia mystica von der des Rationalismus —- die Lehre von der Gottheit als Organismus, die Kordoveros System zentral beherrscht und seine Lösungen schwieriger Probleme wie der des Charakters der Sephiroth oder der Struktur der Schöpfung bestimmt, seine Lehre von der wesentlichen Identität der Kausalitätsreihe und des Emanationsprozesses und seine so tiefparadoxe Konzeption einer unendlichen Reflexion der Emanationsstufen in sich selbst, all dies und unendlich viel Anderes findet in der viel zu sehr auf die Aneinanderreihung kordoveroscher Zitate sich beschränkenden Einleitung keine deutliche Darlegung1. Der offensichtliche Wunsch, eine Synthese zu geben, hat zur Vernachlässigung der notwendigeren Analyse geführt, die ihr hätte vorangehen müssen. Diese große Arbeit bleibt zu tun. In H/s Darstellung ist Kordoveros System viel naiver als es in Wirklickheit ist. Zweitens aber vermißt man bei H. die deutliche Bezeichnung des Neuen, Selbständigen in seiner Spekulation. Welche der hier vorgetragenen Gedanken sind Allgemeingut der älteren Kabbala und welche nicht? Diese historische Fragestellung ist im Falle Kordoveros, der ein produktiver religiöser Denker war, wie die Kabbala ihrer nur wenige hervorgebracht' hat, von außerordentlichem Interesse und vermag natürlich auch viel zur Aufklärung der systematischen Positionen K.s beizutragen. Sie fehlt bei Horodezky, der sich auf Allgemeinheiten beschränkt, völlig. Auch was er über die inneren Unterschiede des kordoveroschen und lurjanischen Systems sagt, ist äußerst schwach, er zitiert gerade hier psychologische Lehren, die beiden Systemen in Wahrheit völlig gemeinsam sind. Die gänzlich verschiedene Struktur der Kosmogonie beider Systeme, von der in einer systematischen Darlegung doch vor allen Dingen zu reden gewesen wäre, ist überhaupt nicht berührt. Aber hier fehlt eben noch alles, und Horodetzky könnte sich auf alle Größen der Wissenschaft des Judentums berufen, die dem lurjanischen System, dieser größten piöce de resistance der jüdischen Religionsgeschichte, mit derselben Verständnislosigkeit gegenüber gestanden haben. Es scheint mir also, 1 Gerade die eigentliche Leistung Kordoveros in der Emanationslehre, nämlich die dialektische He raus arbeitung eines Paradoxons: der Doppelnatur des Weltprozesses als Kausalität und Reflexion, in der Lehre von den sögenannten בחיגות, spielt bei G. gar keine erkennbare Rolle. Und da die Bedeutung der betreffenden Ausführungen nicht erkannt ist, so fehlt deren wichtigste Stelle auch in der Anthologie selbst.

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