Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 75 (1931)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Vulliauds Übersetzung des Sifra Di-Zeniutha aus dem Sohar und andere neuere Literatur zur Geschichte der Kabbala [Rezension]
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 451 (sequence 8)
- Language
- German
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451 in den Gedichten am Ende des Vorwortes deutlich nennt. Die Angabe im ילקוט ראובני, auf der K. fußt, ist ein Schreib״ oder Druckfehler. Der Einfluß christlicher Gedankengänge auf R. Lippmann, der als Apologet in engste Berührung mit ihnen kam, ist vielleicht auch nicht gering zu veranschlagen. Die drei Deutungsweisen der Schrift לפי המליצה המשל והחידה im ם׳ האשכול scheinen z. B. mehr den griechisch״ lateinischen, damals gebräuchlichen Terminis allegoria tropologia und anagogia nachgebildet zu sein als jüdischen Vorbildern. Erstaunlich ist auch, wie unvermittelt, weniger verbunden als vermischt, in seinen Schriften Motive des deutschen Chassidismus neben denen maimonidisclier und nachmaimonidischer Herkunft liegen. Die geringe systematische Kraft der Kabbala in Deutschland kommt׳ dem Betrachter auch dieses hervorragenden Repräsentanten kabbalistischer Tendenzen deutlich zum Bewußtsein. In die genau entgegengesetzte Richtung, in die Welt eines der bedeutendsten und tiefsten Systematiker der mystischen Theologie des Judentums, führt die Anthologie S. A. Horodezkys aus den Schriften Mose Kordoveros, der eine ausführliche historische und systematische Einleitung vörangeht1. Die Anthologie wird Lesern, die einen ungefähren Ueberblick über die Positionen eines so systematisch veranlagten Theologen erhalten wollen, sehr gute Dienste leisten können, mehr aber wird sie, und besonders die Einleitung, kaum zu leisten imstande sein, und zwar vornehmlich aus zwei Gründen. Einmal ist Horodezky, dessen Kraft die Aufgabe der Darstellung und Analyse tiefgehender und komplizierter Gedankengänge offensichtlich übersteigt, der Charakter der Mystik K.s nur sehr unvollkommen auf gegangen. Seine Einleitung vermeidet es, eine tiefere Analyse der entscheidenden Paradoxa K.s zu geben, ja vielmehr wird das Krisen״ hafte und Paradoxe in H.s Darstellung gar nicht sichtbar und ist ihm wohl gar nicht zum Bewußtsein gekommen. Er zieht es vor, die Probleme eher zu verwischen, indem er sich gern mit der Wiedergabe reichlich unbestimmter Aeußerungen Kordoveros selbst zur Charakterisierung seines Standpunktes bedient. Scharfe Interpretation und Abtragung der Texte, die hier äußerst notwendig wäre, ist nicht H.s starke Seite. So bleiben m. E. die entscheidendsten Punkte von K.s Theologie ganz ohne adäquate Analyse, wie denn auch H.s Vorliebe für verwaschene Begriffe hier ihre Krönung in der sehr gewagten Behauptung findet, in Kordoveros System erscheine ,,zum ersten Mal, vor Spinoza, der Pantheismus in klarer Ausprägung“. Was aber unter ,,Pantheismus“ nun eigentlich exakt zu verstehen sei, erfahren wir nicht, und belegt wird eine so weitreichende Behauptung mit einigen ,,pantheistisch“ klingenden Zitaten ohne irgend welche weitere Interpretation, die gerade hier so dringend nötig wäre. In Wahrheit wird die Einheit des Seins und (wenn überhaupt) die Einheit der Substanz von K. in keinem andern Sinn gelehrt, als von vielen mittelalteriichen Denkern, die noch niemand deswegen als ,,Pantheisten“ klassifiziert hat; überdies stehen viele Positionen K.s, vor allem die Details seiner Schöpfungslehre, in einem so fundamentalen Wider- . 1 :תורת הקבלה של רבי משה קורדובירו. גלקטה ובערבה בצרוף מבוא. Berlin 1924. 110, 386 S. 29*