Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 75 (1931)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Vulliauds Übersetzung des Sifra Di-Zeniutha aus dem Sohar und andere neuere Literatur zur Geschichte der Kabbala [Rezension]
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 448 (sequence 5)
- Language
- German
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448 steht, als Anspielung auf den III, 136a denn auch bei der näheren Ausführung ausdrücklich zitierten Vers Hohelied 5!1heißt bei V. ״schwarz wie die Vier“. Der richtige Text wird aber ,,zweifellos ein Druckfehler“ genannt, zu Gunsten eines sinnlosen, aber bei Knorr befindlichen!אוכמין בערבאד, über dessen geheimen Sinn sich gut Anmerkungen verfassen lassen. So geht es nun hier ad infinitum ׳weiter-, Wörterbuch, Syntax und Formenlehre haben nichts zu lachen, und aus dem Staunen über soviel Mut bei solcher Ignoranz käme der sachkundige Leser nicht heraus. Aber den eben gibt es ja in Kabbalisticis nicht, und wenn es ihn gäbe, hätte er nicht bessere Anliegen, als solcher Philologie das Handwerk zu legen? Begnügen wir uns mit einem letzten Beispiel aus § 5. Dort wird der Vers אדם ביקר בל ילין Ps 49u so gedeutet: ,,Der Mensch in der Herrlichkeit, in seiner königlichen Ehre, soll nicht über Nacht bleiben, ohne Geist“. Dieser kurze Aphorismus ist, wie die genaue Ausführung in der Idra rabba III, 143b (wo er auch zitiert ist) deutlich zeigt, eine halachamystische Erklärung der Vorschrift, den Toten noch am Todestag zu beerdigen: der Körpe; des Menschen ist Gottes Ebenbild, das verächtlich gemacht wird, wenn man es seelenlos בלא רוחא wie das seelenlose Vieh (vergl. die Fortsetzung des Verses!) auch nur eine Nacht liegen läßt. Denn in der Nacht bemächtigt sich, wie III, 88b zum selben Gegenstand noch deutlicher ausgeführt wird, die unreine Macht desselben und treibt mit ihm ihr Spiel. Nichts von alledem bei Vulliaud, von dessen Arbeit eben das Motto gilt: Was Knorr nicht weiß, macht mich nicht heiß. Er schreibt: El est eicrit: Et rhomme ne demeurera pas äThonneur. Lliomme aThonneur signifie ä Thonneur du Roi (in der Paraphrase hier noch: Tiphereth). II ne demeurera pas longtemps sans esprit.“ Fertig. Und genau so geht es mit den hierauf folgenden halachamystischen Andeutungen in § 5, von denen V. überhaupt nicht das Mindeste begriffen hat, nämlich daß es sich überhaupt, wie die Parallelstellen schlagend erweisen, um Halachämystik handelt1. Von dieser Art Kabbalaforschung, fürchte ich, ist nichts zu hoffen. Ich weiß nicht, was im 17. Jahrhundert ihre Meriten gewesen wären. Im Jahre 1930 ist sie ein Anachronismus. IV. Daß noch viele Vorarbeiten in monographischer Form notwendig und erwünscht sind, damit eine zusammenfassende Betrachtung der Geschichte der Kabbala Boden unter sich spüren kann, ist offenkundig. Solche Vorarbeit ist natürlich vor allem von Autoren zu erwarten, denen die hebräischen Quellen zugänglich sind, und es ist wohl kaum ein Wunder, daß die meisten hierher gehörigen Schriften auch hebräisch abgefaßt sind. Ich darf hier von meinen eigenen hebräischen und deutschen Arbeiten abseheri. Wir haben in den letzten Jahren eine ganze Reihe größerer und kleinerer Monographien erhalten, die bedeutenden Repräsentanten 1 Genau so sind in § 4 die auf den Fall der Engel Asa und Asael und die Dämonologie bezüglichen Stichworte von Anfang bis zu Ende falsch übersetzt und gedeutet, als von heiligen Kräften handelnd, weil sie zum Verstandnis die Kenntnis der V. unbekannt gebliebenen Parallelstellen voraussetzen.