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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1931-01-01 · Heft 6 · p. Seite 438

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
75 (1931)
Issue
Heft 6
Article
Jüdische Wanderungen und Staatsträume im Lichte der Vergangenheit
Date
1931-01-01
Page
Seite 438 (sequence 10)
Language
German
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438 Juden und die glückliche und segenswerte Zukunft, der er sie in Grand Island entgegenführen will. September 1825 begibt er sich nach Buffalo auf Grand Island, um den Grundstein des zu erbauenden Judenstaates zu legen, dern er den Namen ,,Ararat“ gibt. Die Einweihung des neuen Staates bot ein imposantes und feierliches Bild. Offizielle Vertreter der Regierungsbehörden, begleitet von militärischen Formationen in Paradeuniformen, zahlreiche höhere Beamte und Deputierte wohnten dem feierlichen Akte bei, und Noah wurde zum ersten Verweser des neuen Juden- Staates ernannt. Noah war felsenfest überzeugt, daß die Juden aller Länder in mächtigen Fluten dem neuen Staat zuwandern würden. Er wartete vergebens. Die Rabbiner lehnten seinen Plan ab, weil nur Gott die Erlösung der Juden aus der Diaspora zu beschließen hätte, und kein Mensch sich vermessen dürfte, dem Beschlüsse Gottes vorzugreifen. Die ,,Aufklärer“, die den Aufruf in ihrer Presse abdrucken ließen, lachten ihn als einen Träumer und weltfremden Phantasten aus. Die großen Massen des Volkes aber erhielten von seinen Plänen gar keine Kunde. Enttäuscht und verbittert kehrte Noah nach New York zurück, aber bis zu seinem Tode verteidigte er seine Idee mit größter Zähigkeit und predigte unaufhörlich die Gründung eines Judenstaates. Weniger bekannt ist die Anregung von Issachar-ben- Isaak, eines reichen jüdischen Kaufmanns in. Hessen, in Nordamerika eine große Landfläche für Juden zu erwerben. Er hat seinen dahingehenden Vorschlag 1832 dem Hause Rothschild unterbreitet. Er ging dabei von dem Gedanken aus, daß schon allein die Gründung einer selbständigen jüdischen Kolonie eine starke Wirkung auf das Verhalten der Regierungen zu den Juden ihrer Länder ausüben würde, abgesehen davon, daß der Abzug eines Teiles der Juden die Lage der im Lande verbliebenen erleichtern würde. Er träumt von einer Ansiedlung von Millionen von Juden auf einem ausreichend großen isolierten Territorium in Nordamerika. Er wendet sich an Gabriel Rießer, und ersucht ihn, er möchte sich an die Spitze dieser Aktion stellen, und meint dabei, die Erlösung der Juden aus dem zivilisierten Europa wäre keine geringere Dringlichkeit, als der Auszug aus Aegypten s. Zt. war. Gabriel Rießer wies das Anerbieten mit Entschiedenheit zurück und hob hervor, daß Pläne ähnlicher Art nur schädlich für die jüdische Sache sein könnten. Rothschild lehnte jede Beteiligung an der Aktion ab, und begründete seine Haltung damit, daß nur Gott allein die Erlösung der Juden zustehe und übrigens sich die Lage der Juden bereits bedeutend gebessert hätte. Aber der hessische Kaufmann ließ nicht locker. Er erließ einen Aufruf an die breiten jüdischen Massen, die er zur Erwerbung von Aktien zur Gründung einer Kolonisations-Gesellschaft aufforderte, die den Namen ,:,Qra et Labora“ tragen sollte. Er ermahnte die. Juden, Ackerbau und Handwerk zu erlernen, um sich so zur Üebersiedelung nach dem neuen eigenstaatlichen Lande vorzubereiten. Den jüdischen Gelehrten legte er ans Herz, sie möchten alle Dispute über religiöse

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