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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1931-01-01 · Heft 6 · p. Seite 432

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
75 (1931)
Issue
Heft 6
Article
Jüdische Wanderungen und Staatsträume im Lichte der Vergangenheit
Date
1931-01-01
Page
Seite 432 (sequence 4)
Language
German
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432 b) Daraus folgt ferner: daß in Rußland den Juden selbst nicht geholfen werden kann. Wer d i e s e Hoffnung nährt, gibt dem Gegner nur ins Fäustchen zu lachen. II. Es ergibt sich somit als das einzige Hilfsmittel für die russischen Juden, die Auswanderung, die Hinwegschaffung aus Rußland. Es ist kein anderes vorhanden, es ist kein anderes übrig und möglich. Jeder, der den Gedanken vor sich hat, eine Volksschaft von 1 % Millionen aus seinen Sitzen zu nehmen und mit einem Male an ein entgegengesetztes Ende der Erde zu schaffen, wird davon in Schrecken gesetzt, wird an der Ausführung nicht zweifeln, sondern verzweifeln. Man gibt ihn auf, man wirft ihn fort. Aber das Elend ruft immer lauter, der Jammer wächst und mit ihm der Hilferuf. Er dröhnt in jedes Ohr, er zerreißt jedes Herz. Man kommt wieder darauf zurück. Man ist dazu gedrängt. Es gibt keinen Ausweg. Da ist es, wo mit Flammenschrift uns das Gebot vor die Augen des Geistes tritt: Und kannst du nur einen Tropfen erhalten, so bist du dem Meere den Tropfen schuldig, für ihn verantwortlich! Wir fragen uns demnächst: wohin sollen die Juden aus Rußland auswandern? In Europa ist kein Platz für sie. Aber Texas, Mosquito, Neu-Holland, das Innere des Kaplandes, warum sollen da Haufen nüchterner, tätiger, aufatmender Menschen nicht Raum finden? Wir fragen weiter: sind die russischen Juden befähigt aus zu wandern. Auch da lautet die Antwort im Allgemeinen günstig. Ob sie zur Entbehrung, zum Ertragen von Mühsalen, Mangel, Beschwerden geeignet sind? Wer möchte zweifeln. Es leben dort Greise von 70 Jahren, die niemals Fleisch gekostet. Auch an Kraft und Gewandtheit mangelt es ihnen nicht. Dafür sprechen die jüdischen Soldaten im russischen Heere, die polnischen Fuhrmanns knechte u. a. Auch das muß man bedenken, daß die russischen Juden unzählige Handwerker aller Art unter sich haben, und sehr Viele, die selbst mit dem Landbau vertraut sind. Die bedeutendste Frage bleibt daher: wie diese Uebersiedlung in’s Werk setzen? Das ist keine Frage: wer diese Uebersiedlung zu bewerkstelligen, zu vermitteln, vorzubereiten habe? Die europäischen Juden. Wer unter diesen noch ein Herz hat, wer nicht bloß Jude, wer unter ihnen nur Mensch ist, muß alles aufwenden zu diesem Werke, was ihm zu Gebote steht. Daß auch bei Christen, ja bei großsinnigen Regierungen dann, wenn die ganze Judenheit sich der Sache annimmt, vielfache Unterstützung, namentlich in den Hilfsmitteln zur Uebersiedlung und Ansiedlung gefunden würde, ist sicher. Wie sollen nun die Juden dies zu bewerkstelligen vermögen? Durch einen großen Hilfsverein zur Ueber- Siedlung russischer Juden. Bevor wir über die Organisation eines solchen uns aussprechen, müssen wir seine Zwecke ins Auge fassen. Diese können nur sein: a) Von der russischen Regierung die Erlaubnis zur Auswanderung für die Juden zu erhalten. b) Plätze, Landstriche zu ermitteln, wohin Haufen russischer Juden übergesiedelt werden können. Es gibt jetzt in Amerika, am Kap, in Sydney, in Algier u. a. Juden genug, die mit genauer Kenntnis

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