Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1931-01-01 · Heft 6 · p. Seite 415

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
75 (1931)
Issue
Heft 6
Article
Die Reichsstadt Köln und die Juden in den Jahren 1685 - 1715
Date
1931-01-01
Page
Seite 415 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2829132-2829975-2829982-2837210--50806-2837269
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

415 Proviantkommissaren der holländischen Armee die Rede. Die Brüder Salomon Abraham und Sußmann Abraham, anscheinend aus St. Goar — Salomon wird gewöhnlich ,,aus Mainz“ bezeichnet — bringen auf holländischen Schiffen Heu und Stroh für die holländische Armee nach Köln. Der Rat der Stadt hatte einen bequemen Ort außerhalb der Stadt als Magazin dafür zur Verfügung gestellt, aber auch sehr scharfe Bestimmungen bezüglich des Hineinkommens der genannten Juden und ihrer Beauftragten getroffen1. Der Resident der holländischen Generalstaaten in Köln, Herr von Bilderbeck, verwendete sich für freies Geleit für Salomon Abraham und dessen Kommis2. Sußmann Abraham hatte anscheinend in dem Haus zum Ritter auf dem Heumarkt, das Anna Elisabeth Burchardt von Jacob Liegeois gemietet hatte, Unterkunft gefunden. Aber eben deswegen wurde A. E. Burchardt beschuldigt, das Haas zur offenen Herberge gemacht zu haben, und entstand zwischen Mieter und Vermieter ein langwieriger Prozeß. Die Entscheidung fiel schließlich dahin, daß durch die Aufnahme eines J aden der holländischen und kaiserlichen reichsalliierten Armeen das Haus nicht zur Wirtschaft würde3. Ferner ersucht im November 1704 der Resident der holländischen General- Staaten um freies Geleit für den noch zu nennenden Joseph Cassel von Bonn, der demgemäß auch die Geschäfte der holländischen Armee besorgt haben dürfte4. Wir kommen zu den kaiserlichen Hoffaktoren. Als erster begegnet uns in Köln im März 1686 eine der hervorstechendsten Erscheinungen der Leopoldinischen Aera, Samuel Oppenheimer (1630 bis 1703)5, der allmählich alle fiskalischen Lieferungen des Staates, sowie den gesamten Staatskredit auf sich vereinigte. Er war in erster Linie Armeelieferant, sodann Hoflieferant und Hofbankier geworden, und seiner weit verzweigten und mannigfaltigen Tätigkeit entsprach ein ausgebreitetes Netz von Geschäftsbeziehungen. Am 1. März 1690 wird ihm die Erlaubnis zuteil, den kaiserlichen General Freiherm von Beeck und kurbayerischen Kommissar in Köln aufzusuchen6. Am 5. Juli 1694 wird ihm auf sein Ersuchen städtischer Schutz (convoye) für das Schiff, in dem er Früchte für das kaiserliche Magazin den Rhein hinaufführt, gewährt7. Vermutlich ist der 21. Dezember 1689 genannte kaiserliche Proveditor Salomon Oppenheim8 kein anderer als unser Samuel Oppenheim. Ebenso kauft er im Jahre 1696 mit seinem älteren Bruder oder Vetter Moses9, der bereits Januar 1694 erwähnt ist und das von ihm gelieferte Pulver in Köln besichtigen 1 Rpr. n. 150 f. 169b, 173b, 246a, 296a; Rpr. n. 151 f. 93a v. 28. 3. 1704 sprechen von der Räumung des Magazin wegen der GottestrachtproZession. 2 n. 150 f. 296a v. 5. 10. 1703. 3 s. Zivilprozesse n. 916, 1703 Mai 18 bis 1703 Juli 30, Stadtarchiv Köln, Rpr. n. 150 f. 116b. 4 Rpr. n. 151 f. 338a. 6 s. Grunwald a. a. O. S. 36 ff. 6 n. 137 f. 60b. 7 n. 141 f. 207a. 8 n. 136 f. 462b. 9 s. Grunwald a. a. O. S. 38, 39. Der ältere Bruder ist Vorsteher in Heidelberg und Fürth (vgl. Löwenstein, Geschichte der Juden in der Kurpfalz, 1895, 4. Abschnitt), der Vetter wohnt in Koblenz.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.