Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 75 (1931)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Die Reichsstadt Köln und die Juden in den Jahren 1685 - 1715
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 414 (sequence 3)
- Language
- German
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414 Erzbischof Maximilian Heinrich 1687 z־u einem neuen Bündnis mit Ludwig XIV. von Frankreich verstanden, indem er ihm für den Kriegsfall den Durchmarsch gestattete und seine Armee und seine Festungen überließ. In dem von Ludwig XIV. 1688 eröffneten dritten Raubkrieg ist auch das Kölner Land sein Opfer gewesen. Brandenbarger im Verein mit holländischen und anderen deutschen Trappen vertrieben den Feind aus dem Erzstift Köln. Im spanischen Erbfolger krieg schloß der Kölner Erzbischof Josef Clemens gegen den Willen seines Kapitels 1701 mit König Ludwig XIV. ein zehnjähriges Bündnis ab. So gaben sich denn die Kontingente fast aller Kriegsführenden am Rhein ein Stelldichein, und barg die Reichsstadt Köln zeitweise in ihren Mauern die Soldaten der verschiedensten Armeen. In diesen Kämpfen, da Handel und Wandel sich von den fortwährenden Schlägen nicht mehr erholen konnten, spielen jüdische Hoffaktoren eine wichtige Rolle. Kein Wunder, daß die Kaiser, die Fürsten, die holländischen General- Staaten für ihre Faktoren den Eintritt in der Stadt Köln unbedingt verlangten. Sie konnten nicht dulden, daß ihre Interessen, die Interessen des Reiches, die Verpflegung der Heere durch die Engherzigkeit der Stadt Köln gegenüber den Juden gefährdet wurden. Wir treffen also jüdische Proveditoren Hollands, kaiserliche kurkölnische, kurpfälzische, kurbrandenburgische, sächsische, münstersehe u. a. jüdische Kammeragenten und Hoffaktoren in all diesen Jahren für eine kurze Frist in Köln an. Unter dem 1. Juli 1689 berichten die Ratsprotokolle1 von der Ankunft des holländischen Generals Barfuß. Schon vorher, am 29. Juni 1689, hatte der jüdische Generalproveditor der holländischen Armee David Perira das gewöhnliehe Geleit in Köln erhalten2. Am ersten Juli wird dieses auf Ansuchen der alliierten Generalität auch auf die jüdischen Kommissare Abraham Perira, Petrus de Palma, Emanuel Pimentei, Michael Seger, Jacob Bravusa, sowie die Knechte und Juden Hertzog, Salomon, Isaack Jochem und Salomon Polack ausgedehnt; allerdings wird vom Rat der ausdrückliche Vorbehalt gemacht, daß die Genannten nur die holländische Armee zu verproviantieren, aber sonst keine Geschäfte in der Stadt erledigen dürfen, daß sie mit der im niederrheinisch-westfälischen Kreis üblichen Münze zahlen und beim Ausladen ihrer Waren aus den Proviantschiffen die gewöhnliche Akzise entrichten sollen3/4. David Perira aber ist anscheinend, wie aus imwidersprochenen, sich in den Ratsprotokollen findenden Behauptungen5 6 späterer Zeit hervorgeht, nicht nur das Geleit ganz unbeschränkt, sondern auch das Wohnen in Köln gestattet worden. Noch einmal in den Monaten Mai 1703 bis März 1704 ist von jüdischen 1 n. 136, f. 252b. 2 ib. f. 249b. 3 ib. f. 255 a. 4 S. Seeligmann-Amsterdam weist mich hin auf D. S. v. Zuiden, Portugeesche Joden als Proviandeurs van de Staatsche legers (1674—1695) im ״Vrydagovend“ Jahrg. V S. 63/64; Gorrespondentie von Willem III en van Hans Willem Bentinck, eersten graaf von Portland, mitgegeven door N. Japikoe, Haag 1927, 8°, ״Ryks geschiedkundische Publiceties. Kleine Serie n. 23“; schließlich D. H. de Gastro, De Synagoge der Port. Israel. Gemeende te Amsterdam (Haag 1875), woselbst S. L. David Pereira vorkommt. 6 Rpr. n. 137 f. 397h vom 13. 1. 1690, vgl. n. 161 f. 200a vom 8. 6. 1714.