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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1931-01-01 · Heft 6 · p. Seite 413

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
75 (1931)
Issue
Heft 6
Article
Die Reichsstadt Köln und die Juden in den Jahren 1685 - 1715
Date
1931-01-01
Page
Seite 413 (sequence 2)
Language
German
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413 bei Tag, die Stadt betreten. Von einem städtischen, mit seinem roten Mantel bekleideten Boten1 gewöhnlich begleitet, durften sie nur diejenigen auf suchen, zu denen zu gehen der Rat ihnen ausdtücklich erlaubt hatte2. Vielfach sind es die Judendoktoren von Deutz und Mülheim, die immer wieder in die Stadt gerufen werden; des weiteren wird solchen Juden, die sich taufen lassen wollen, der Eintritt gewährt. Schließlich werden auch die Vertreter der Deutzer und erzstiftischen Judenschaft gelegentlich zum erzbischöflichen Hof in der Stadt Köln zugelassen. Aber die Stadt sträubt sich dagegen, Juden zu Wirtschaftliehen Zwecken Eintritt zu gewähren, selbst als nach dem 30 jährigen Kriege dieselben im Wirtschaftsleben Deutschlands eine besondere Rolle zu spielen begannen und zu jenen Pionieren des Handels zählten, die das durch den 30 jährigen Krieg nahezu vernichtete geschäftliche Verkehrswesen wieder in Gang brachten3. Besonders bezeichnend für die Einstellung der Reichsstadt Köln ist eine Stelle aus den Rats- Protokollen vom 14. Juni 1679: ,,Als von Herren Bulderen referirt, wie in daß hospital sanctae Catherine under anderen Soldaten ein judd so sehr krank einbracht worden, hatt magistratus denselben baldmöglichst in einen nachen zu fuhren undt auf Deutz übersetzen befohlen“4. Noch im Jahre 1784 bitten die Juden des Erzstifts wiederholt, daß sie nicht den Umweg um Köln herum machen müssen, sondern daß es ihnen gestattet sein möge, mit einem Soldaten begleitet durch Köln passieren zu dürfen, und schreiben sie: ,,da war doch mit allen Christen und allen Menschen Adam, den ersten erschaffenen Menschen, zum gemeinsamen Stammvater hatten, folglich alle von einem Fleisch und Blut sind“5; aber am 24. Januar 1785 werden sie vom Rat ,,mit ihrem Gesuch ab- und zu geduld verwiesen und hat es beim alten herbringen seinen verbleib6“. Wenn in der von mir gewählten Zeit gleichwohl zahlreiche Juden nach Köln hineinkamen, so lag das an den besonderen Verhältnissen jener Tage7. In dem sieben Jahre dauernden Kriege zwischen Ludwig XIV. und Holland wurden die Rheinlande zur Wahlstatt. Unter dem Einfluß des Grafen Wilhelm Egon von Fürstenberg hatte sich der Kölner 1 Als solcher erscheint vielfach der ,,speyrische Bote“; gelegentlich wird auch ein anderer Bote oder ein Offizier als ״Begleiter zugelassen. Daß der ,,speyrische Bote“ vollständig besoffen war, wird gelegentlich berichtet (Rpr., 159, f. 66b v. 4. III. 1712). 2 Unter Berücksichtigung dieser Tatsache wird von den Kurfürsten in den Judenordnungen von 1686 und 1700 c. VI an Stelle des ,,Hohen weltlichen Hofgerichts“ in Köln das ,,Hohe Gericht zu Bonn“ für Juden zuständig erklärt (St.-A. Köln, Erzstift Köln B 22a n. 27; Scotti, Kurkölnische Verordnungen n. 262; G. Hoffmann, Die Juden im Erzstift Köln im 18. Jahrh. Münchener Dissertation 1928. S. 55). 3 s. Grunwald, Samuel Oppenheimer und sein Kreis, Wien u. Leipzig (1913), S. 6 ff. 4 Rpr. n. 126 f. 183a. 5 Bittschrift, lectum 24. Januar 1785, vgl. Schreiben vom 27. Okt. 1784 in Akten betr. Juden 1646—1794, Stadtarchiv Köln. 6 Rpr. n. 232 f. 18b. 7 s. Ennen, Stadt- und Kurstaat Köln seit dem dreißigjährigen Kriege, 2 Bde. 1855, 1856. II, S. 477 ff.; Geschichte des Rheinlandes von den ältesten Zeiten bis zur Gegenwart, hrsg. v. d. Ges. f. Rheinische Geschichtskünde, I (1922) S. 231; Tausend Jahre deutscher Geschichte und deutscher Kultur am Rhein, hrsg. v. Aloys Schulte (1925) S. 236 ff.

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