Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 75 (1931)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Neuere Josephusschriften [Rezension]
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 389 (sequence 4)
- Language
- German
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389 erklärenden Ansgaben des Josephus finden, wird hier erstmalig — und im ganzen mit Erfolg — der Versuch unternommen, die exegetischen Bemerkungen, die sich in Josephus’ Altertümern finden, auf ihre Quelle zurückzuführen. Der Verfasser äußert sich in der längeren Einleitung über die Möglichkeiten des Zusammenhanges zwischen Josephus, dem masoretischen Text und seinen Mehrangaben. Es ist möglich, 1. daß Josephus eine schriftliche Quelle besessen und benutzt habe, aus der seine agadischen und exegetischen Nachrichten stammen, 2. daß er aus seiner eigenen Erinnerung, die er seiner studienreichen Jugend verdankt, schöpft, also gar keine Quelle schriftlicher Art vor sich hatte, und 3. daß er selbständig Exegese treibt, also in der Nachwirkung seiner Jugendarbeit eigenmächtig sich erlaubt, dem biblischen Texte oder einer Gesetzesvorschrift eine eigenmächtige Deutung zu geben, die allerdings gelegentlich sich auch bei einem Interpreten einer alten jüdischen Schule finden kann. Die erste Möglichkeit, die die Schaffung neuer Mittelquellen oder deren Annahme (z. B. Hölscher) oder die Vorlage eines anderen biblischen Textes (etwa des samaritanischen, wie Gaster meint) festzustellen, entbehrt der Wahrscheinlichkeit, da wir nicht nur davon keinerlei bestimmte Nachricht haben, sondern auch eine viel größere Ausbeute bei Josephus erwarten müßten. Die ganze in der Josephus-Forschung einige Jahrzehnte beliebte Anonymustheorie muß wohl endgültig fallen gelassen werden. Hingegen muß man den Eingangskapiteln der vita vollen Glauben schenken und vermuten, daß J., ein Jerusalemer und Abkömmling priesterlichen Geschlechts, eine gründliche Jugendausbildung genossen und das jüdische Leben in der Stadt und im Heiligtum beobachtet hat (vgl. auch Ap. I 54); daher muß sehr viel aus seiner Erinnerung und seinem Wissen stammen; und wenn er z. B. in Gesetzesfragen der Halacha widerspricht, so kommt es daher, daß sein Gedächtnis ihn verlassen hat, kaum daher, daß er eine andere Halacha erlebt hat, als wie wir sie kennen (darüber neuerdings auch H. Guttmann). Die besondere Erkenntnis einer ״Gelehrfenschuie in Alexandrien“ (ebenfalls Hölscher) dürfte auch Fiktion sein. Freilich sind die Apokryphen und auch das Buch der Jubiläen ihm gut bekannt, aber ebenso auch die aramäische Bibelversion. Die rabbinische Tradition — darin kann man noch über den Verfasser hinausgehen — ist zum großen Teile dem mündlichen Wissen des Josephus zu verdanken, dazu kommt hellenistische Ueberlieferung, die ihm schriftlich Vorgelegen hat. Schließlich ist die eigene Interpretation nicht zu mißachten, die Rationalismus, Apologetik, Tendenz mit Agada mischt, so daß J. hier mit Recht ,,ein echter Agadist“ genannt wird (S. XXXVIII). Dies sind die wichtigsten Momente, die aus der langen Einleitung der vorliegenden Schrift angeführt zu worden verdienen. Man erkennt daraus, daß das Problem richtig angepackt wird; es fehlt eine Schlußbetrachtung, die ein Fazit aus dem nunmehr folgenden reichen Inhalt liefert. Denn nun werden — in der Reihenfolge der biblischen Bücher — die Stellen bei Josephus behandelt, bei denen ein Mehr gegenüber dem Bibeltext festzustellen ist. Es ist da allgemein zu sagen, daß der Verfasser durch sehr ausführliche Anmerkungen wohl alle Belegstellen und Parallelen gebracht hat; es ist klar, daß in der Sucht, eine ,,Quelle“ zu finden, bisweilen etwas gesucht wird, was nicht gefunden werden kann, mitunter Stellen des J. mit Midraschbemerkungen konfrontiert werden, mit denen sie nichts zu tun haben, dann und wann ein Füllsatz oder eine Ueberleitung, die bestimmt Arbeit des J. ist, auf einen Mittler zurückgeführt wird. Wenn es im Beginn der ant. heißt, daß Moses sein Buch nicht mit Verträgen und Pflichten begonnen habe, sondern damit, daß er die Seele auf Gott und die Betrachtung des Weltgebäudes richtete, so ist das kaum die Frage des R. Jizchak, die auch Raschi z. St. bringt, vielmehr eine allgemeine Beobachtung, derart, wie sie gerade J. sehr liebt; übrigens beginnt Philo ähnlich sein de op. mundi. Aber eine Verbindung zwischen Philo und J. besteht nicht; darüber spricht der Verf. auch in der Einleitung; würde J. den Philo gekannt und benutzt haben, er würde ihn viel Öfter gebraucht und auch genannt haben. Wenn es auf S. 3 heißt: J. schreibe: dem ersten Menschenpaar sei das Berühren des Baumes der Erkenntnis verboten worden, so ist dies, wie der Verf. auch zu meinen scheint, eine Behauptung, die J. aufstellt, um den Widerspruch zwischen I Mos 21ד und 33 aufzuheben; der Hinweis auf die Agada (S. 79, Anm. 17) ist irreführend. Wie kann man (S. 6) zu dem Satz bei J. ,,Nachdem er seinen Leichnam unsichtbar gemacht hatte, glaubte er, daß es unbekannt bleiben würde“ auf die Agada verweisen: er machte eine Grube und vergrub ihn in der Erde? Das ist J.s Exegese,