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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1931-01-01 · Heft 5 · p. Seite 390

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
75 (1931)
Issue
Heft 5
Article
Neuere Josephusschriften [Rezension]
Date
1931-01-01
Page
Seite 390 (sequence 5)
Language
German
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390 denn auch zu seiner Zeit, wie noch heute, wird der Mörder sein Opfer verscharren, in der Hoffnung, nun unentdeckt zu bleiben. Aehnlich wird es mit den Leuten des Turmbaugeschlechts sein. Wenn J. von ihnen sagt, daß sie ihr Werk vollbrachten, weil sie das Gute sich selbst zu verdanken wähnten, so hat das kaum Zusammenhang mit der Bemerkung des Midrasch, daß sie wegen des Guten stolz wurden, das ist doch natürlich; vor Uebermut wird oft gesündigt (S. 12). Die Ausmalung der Krankheit von I Sam 56 ist für J. typisch, sie ist z. T. von der Seuchenschilderung bei Thukydides genommen und kehrt häufig bei J. wieder. Der Hinweis auf die entsprechende Agada scheint mir unangebracht (S. 47). Bei Saul wird mit Hilfe der Agada ein Unterschied zwischen Bescheidenheit und Schüchternheit gemacht, was sicher nicht berechtigt ist (S. 48). Daß nicht Gott selbst zu Salomo kommt, sondern ein Prophet in göttlichem Aufträge, führt der Verf. einmal auf eine Agada zurück und zum zweiten darauf, daß ,,Jos. dem sündigen König nicht Gott selbst erscheinen lassen will und daher den Propheten im Aufträge Gottes substituiert“ (S. 48); aber wenn ein Befehl oder eine Mitteilung nicht an heiliger Stätte gegeben wird, läßt sie J. stets durch einen Propheten vermitteln. Diesen zweifelhaften Zusammenhängen stehen offenbare gegenüber, auch von ihnen einige Beispiele: S. 6 für die Deutung von I Mos v wird mit Recht auf eine rabbinische und hellenistische Parallele hingewiesen. S. 13 die Etymologie des Namens Nimrod geht sicher auf die Agada zurück. S. 34 die ausführliche Allegorisierung der. Stiftshütte, die auch der Samaritaner kurz kennt und die auch — verschieden in dem Grundgedanken Stiftszelt Welt — bei Philo anzutreffen, stammt sicher aus rabbinischer Ueberlieferung. S. 49 die Verbindung der Bibelverse I Sam 156 mit Ri 116 verdankt J. gewiß der Agada. Viele Zusätze bei J. sind :— wie bereits bemerkt — seiner eigenen Exegese zu verdanken, z. B. S. 4 es ist richtig, daß sich Adam und Eva im Besitze der Erkenntnis zunächst glücklicher fühlen; daß Adam später sein Schweigen mit seinem Schuldbewußtsein rechtfertigt, ist schon eine tiefere Deutung des J., der das Schuldbewußtsein als selbstverständliche Folge der Erkenntnis betrachtet. Einige allgemeinere Bemerkungen: Zur roten Erde (S. 2 und dazu Anm. 8) sei auf Krauß, Synagogale Altertümer S. 290 verwiesen. S. 10 bei der Chronologie scheint J. etwas Aehnliches zu meinen, wie wir es bei Raschi in den Worten הרבד. שנים נבלעו בתיך lesen. S. 12 noch einmal zu obiger Stelle von dem Turmbau, man vergleiche den allgemeingültigen Satz אין אדם מורד בהב״ה אלא מתוך נפש שבעה. Daß bei J. nach I § 165 der Streit zwischen Lot und Abraham trotz großartiger rhetorischer biblischer Vorlage fehlt, erklärt sich allein aus der Tendenz des J. S. 48 das Lob auf Saul kommt einem Epilog gleich, dieser bei J. allgemein üblich, stammt aus der antiken Biographie; J. weiß, daß die alte Geschichte an einzelne Gestalten anknüpft, und er bemüht sich, diese persönlich zu erfassen, wenn nicht in seiner ganzen Darstellung, so wenigstens dann, wenn sie vom Schauplatz der Geschichte abtreten. S. 65 ist zu X § 100 die Uebersetzung nicht in Ordnung aicapac; — ׳jcapaot&oai S. 68 f. mit dem Esther-Buche ist der Verf. zu kurz umgegangen, die agadische Ausbeute ist hier viel größer. S. 69 zur op-cpaXo־;-Vorstellung vgl. Brawer, Palästina nach der Agada (1920) S. 16 und J׳. Dölger, Der Nabel der Welt (Thk. Th. 42 (1919) S. 742 ff. Mit Recht wird gelegentlich auf den Rationalismus des J. hingewiesen, z. B. S. 60. Zum Schluß seien in wenigen Worten die Ergebnisse zusammengefaßt, die sich aus der vorliegenden Schrift für die Arbeitsweise des J. ergeben: J. liebt es, eine feste Vorlage zu haben, aber er beschränkt sich nicht auf sie, er sucht sie vielmehr von allen Seiten zu ergänzen, umzugestalten, zu erweitern und auszuschmücken. Skrupel über eine Ueberlieferung scheint er hierbei nicht zu kennen, er schreibt alles ab, versteht es, zumeist die Verbindung herzustellen, so daß man die Füllsel nicht merkt, ist Schriftsteller genug, um durch eigene Hinzufügungen mangelnde Verbindungen zu schaffen. Wir begegnen bei ihm Wandermotiven, Berichten, deren Heimat nicht sicher festzustellen ist, und — nicht zuletzt — läßt er sich gar oft von apologetischen Motiven leiten. Die Arbeit, die leider sehr viele Druckfehler enthält und gelegentlich auch mangelhaft zitiert (wie S. 100, Anm. 75), ist eine gediegene und fleißige Leistung. Kiel. A. Posner.

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