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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1931-01-01 · Heft 5 · p. Seite 367

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
75 (1931)
Issue
Heft 5
Article
Das jüdische Schulwesen in Palästina
Date
1931-01-01
Page
Seite 367 (sequence 6)
Language
German
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367 blinden, über die Klassendifferenzierungen hinaus ein einheitliches Volksganzes erstehen zu lassen. Dem entspricht noch heute die einheitliche Organisation der gesamten hebräischen Lehrerschaft an den Schulen der Jewish Agency/die also nicht, wie z. B. in Deutschland, in sich heftig befehdende Standesgruppen ,,höberei“, ,,mittlerer“ und Volksschullehrer geschieden ist. Auch die Gehaltsgrenzen zwischen den beiden Hauptkategorien von Lehrern sind erfreulicherweise einander verhältnismäßig nahe gerückt; der Volksschullehrer beginnt mit 9, der akademische Lehrer mit 13 £ pro Monat. Die Endgehalte betragen das Doppelte dieser Summen. Akademische Lehrer an Volksschulen sind kaum schlechter gestellt als ihre Kollegen an höheren Schulen und daher, nicht nur in leitenden Posten, eine keineswegs seltene Erscheinung. Auf der andern Seite aber bilden sich unter den Eltern und Schülern selbst deutliche Klassengruppen heraus. Schon die Notwendigkeit eines gestaffelten und für die höheren Schulen recht hohen Schulgeldes (bis 2y2 £ kn. Monat!) bewirkt eine höchst bedauerliche Gliederung der Schülerschaft in Kinder solcher Eltern, die geldlich und zeitlich den Besuch einer höheren Schule durchhalten können, und solcher andern, die sich für ihre Kinder mit einer Volksschule oder gar, wenn sie den orientalischen Gemeinden angehören, häufig mit nur einigen Klassen Volksschule begnügen müssen. Mit einer gewissen Verallgemeinerung kann man auch sagen, daß die Differenzierung selbst innerhalb der Volksschule stattfindet, da die ärmeren Kreise meist traditioneller zu sein pflegen und vor allem die Anstalten des Misrachi frequentieren, während das etwas gehobene Kleinbürgertum seine Kinder in die allgemeinen Schulen oder gar von vornherein auf die Vorschule und in die untersten Klassen der höheren Schule schickt. Der von der Arbeiterschaft geschaffene Schultypus wird aus derem bewußt proletarischem Ideal verständlich. Eine letzte Problematik dieser sozialen Differenzierung hegt in der viel erörterten Neigung der Abiturienten, das Land für Jahre hinaus zu verlassen, um im Ausland zu studieren1. Nicht alle kehren zurück, und manche der Zurückgekehrten vermehren das akademische Proletariat Palästinas. Auf der anderen Seite fehlt es auch nicht an ländlicher Ferienarbeit und an Berufsumschichtungsbestrebungen höherer Schüler. Die religiöse Frage besteht in einem viel höheren Grade gemeinsam für alle drei Schularten (Misrachi, Allgemeine, Arbeiter), als ein oberflächlicher Blick glauben machen möchte. Der Misrachi hat sie nicht etwa gelöst, und die Arbeiter kommen nicht etwa darum herum. Diese nicht, weil hebräische Sprache und Literatur sowie noch die am meisten säkularisierten Feste allzu sehr von der Tradition geprägt sind, weil es neue Formen noch nicht gibt und weil die heroische Existenz im luftleeren Raum zwar für den Erwachsenen mit großer Schwierigkeit vohziehbar, aber für keine Kindergemein- 1 Hiermit hängt z. T. die hier nicht zu behandelnde Problematik der Jerusalemer Universität und des Technikums in Haifa zusammen, deren Fragen lauten: wirkliche Lern- oder vor allem Forschungsuniversität; höhere technische Schule oder Technische Hochschule?

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