Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 75 (1931)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Das jüdische Schulwesen in Palästina
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 366 (sequence 5)
- Language
- German
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366 vermittelt, die Fähigkeit zu ernstem Arbeiten und gewissenhafter Reproduktion ausgebildet und in den Mittelschulen, wo der Talmud dafür sorgt, auch eine ״formale Bildung‘' erreicht, die etwa im deutschen humanistischen Gymnasium durch Griechisch, in der Oberrealschule durch Mathematik verbürgt wird1. Besteht einerseits diese Methode auch in vielen Volks- und einigen Mittelschulen des allgemeinen Typs, so bietet dieser, wie gesagt, daneben für moderne Versuche gleichfalls Raum. Angefangen von einem mehr handwerklich fundierten ״Arbeitsunterricht“, der nicht immer im Sinne Kerschensteiners und Gaudigs auch in die geistigen Fächer im Sinne der Selbstarbeit hineinwirkt, aber es doch einmal tun kann, bis hin zum ״system of projects“ finden sich beinahe alle Spielarten. Dieses letzte geht von dem Grundsatz aus, daß die mechanische Einteilung in Lehrfächer fallen müsse und an ihre Stelle ein ״project“, ein Gesamtthema zu treten habe, das jeweils von einem aktuellen Interesse der Kinder selbst aus bestimmt, dann aber eine zur Durcharbeitung genügende Zeit festgehalten und von allen Fächern her zugleich in Angriff genommen wird. Um ein Beispiel zu geben: Eine dieser (Allgemein-) Schulen hat z. B. in der Zeit des Streites um die Klagemauer dieses damals hochaktuelle Thema zum Gegenstand einer zugleich historischen, geographischen, politischen und zum Teil auch juristischen Arbeitsfolge gemacht. Die Schulen der Kulturkommission der Arbeiterorganisation schließlich, die nur einen ganz geringen Bruchteil der aus Arbeiterkreisen stammenden Kinder umfassen und einen nicht viel größeren Bruchteil der der Arbeiterorganisation nahestehenden Lehrer beschäftigen, sind ausnahmslos ״Produktionsschulen“ im Sinne etwa Paul Oestreichs und seines ״Bundes entschiedener Schulreformer“. In enger Verbindung mit dem Leben einer arbeitenden Gemeinschaft, wo dies, vor allem in den ländlichen Kwuzoth, möglich ist, oder aber selbst den Versuch machen, eine eigene städtische Produktionsgemeinschaft zu gründen, wollen diese Schulen ihre jungen Mitarbeiter unmittelbar in das Berufsideal der proletarischen Elterngeneration überführen. Die hier zum Ausdruck kommende, über das rein Methodische weit hinausgehende soziale Grundeinstellung wird im nächsten Abschnitt, der auf Grund der hier mitgeteilten Tatsachen einige prinzipielle Fragestellungen kurz erörtern soll, deutlich werden. 3. Innere Probleme. In der hier aufgegebenen Kürze können nur die wichtigsten Problembündel eben genannt und umrissen werden. Jedes einzelne von ihnen bedürfte gesonderter Behandlung; viele von ihnen haben eine solche in den Diskussionen der hebräischen Lehrerschaft — zum Teil in deren Vereinsorgan ״Hed Hachinuch“ — bereits gefunden. Die soziale Frage findet schon heute im Aufbau des Schulwesens ihren Ausdruck. Der ursprüngliche Impuls der Palästinakolonisation war in weiten Kreisen zweifellos mit der Absicht ver- 1 Die modernen Schulen mit nicht ausschließlich hebräischer, sondern noch entweder französischer oder englischer Unterrichtssprache gehören meist gleichfalls dem konservativen didaktischen Typ an, obwohl sie religiös und z. T. noch traditionell sind.