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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1931-01-01 · Heft 5 · p. Seite 361

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
75 (1931)
Issue
Heft 5
Article
Vulliauds Übersetzung des Sifra Di-Zeniutha aus dem Sohar und andere neuere Literatur zur Geschichte der Kabbala [Rezension]
Date
1931-01-01
Page
Seite 361 (sequence 15)
Language
German
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361 ist gar nicht zu denken. Erst bei der Abkürzung und durch sie erhielten die verschiedenen Motive, die nun fast ohne alle homiletischen Bekleidungsstücke unvermittelt nebeneinander stehen, das scheinbare Aussehen verschiedener Quellen. Motive so verschiedener Art wirken aber sehr oft im Sohar literarisch in ganz einheitlich konzipierten Stücken zusammen, wie jede Analyse etwa der literarisch streng komponierten Teile wie I, 15a—22b, II, 94 b bis 114 a oder II, 127 a—147 a zeigt. Ja, auch im zweiten Stück von § 2 des S. Z. ist der Anschluß an Gen lu und 112, von deren Deutung die Idra nichts weiß, ganz offenkundig künstlich; in Wirklichkeit gehen auch in diesem Stück, das nach Stern zu der andern Quelle gehören müßte, die Idra-Motive weiter, und die ״Deutung" von Gen 112 (II, 177a) ist Satz für Satz nichts weiter als eine Inhaltsangabe des Idrastückes III, 135b Mitte bis 138a unten! Damit allein wäre die Hypothese zweier verschiedener Quellen widerlegt, denn der Anfang von § 3, der zu der andern Quelle gehören müßte, liefert die Stichworte der Fortsetzung jenes Idrastückes von III, 139 a an. Nur der zweite Teil von § 1 enthält Ausführungen, denen in der Tat im Aufbau und Inhalt der Idra rabba nichts entspricht, wohl aber hängt dieser Teil eng mit dem einzigen Stück der Idra sutta (III, 290 a—292 a) zusammen, das über die Idra rabba hinausgehende Darlegungen enthält: bei beiden handelt es sich um das Verhältnis der als pater und mater symbolisierten Sefirotli Chochma und Bina im Zusammenhang mit der Mystik der Buchstaben des Gottesnamens. Neu scheint im S. Z. hier nur die Beziehung dieser Gedanken auf die ersten Genesisverse, und die Andeutung einiger mit diesen Versen in Verbindung stehenden, übrigens durchaus anderswoher bekannten, mystischen Motive und Exegesen. Daß das einzige Zitat des S. Z., das sich in der Idra sutta (III, 291a), und zwar gerade in dem in Frage stehenden Stück, befindet, sich eben auf diesen Schlußteil von § 1 mit seinen dunklen Stichworten über die Rolle von דעת oder תפארת bezieht1, ist wohl kein Zufall. Diese Art des Aufbaus könnte für die zweite der zu Beginn dieser Ausführungen erwähnten beiden Möglichkeiten sprechen, das Verhältnis der Idras und des S. Z. und die Frage der Priorität zu sehen. Der Autor der kleinen Idra, der von einer Ausführung des S. Z. mit Bewußtsein abweicht־, muß es wohl vor sich gehabt haben, und ebenso spricht für diese Annahme, daß das S. Z. zuerst entworfen wurde, direkt vor der Abfassung der Idra rabba, daß es eben in diesem einen Stück die Disposition der Idra rabba nicht einhält: der Autor scheint sich während der Arbeit besonnen zu haben und die Ausführungen über אבא und אי£א, die er ursprünglich ebenfalls in der großen Idra unterzubringen gedachte, in die kleine Idra ver- 1 Das Zitat ist, da die Idra sutta nur einen allgemeinen Hinweis aufs S. Z. gibt, nicht leicht zu identifizieren. ״Und obwohl dieser Gegenstand — die Lehre von דעת und תפארת — im S. Z. in anderer Weise dargelegt ist, ist auch die Darlegung dort an ihrem Ort richtig.“ Menachem Lonzano hat in seinem, an mehreren Stellen durch d*e lurjanische Blendung hindurch tiefe kritische Einsicht verratenden Kommentar zur Idra sutta, der unter dem Titel עמר מן gedruckt vorliegt, zuerst erkannt, daß die letzten Worte des § 1 gemeint sind, die von der Oeffnung der Tore der Bina durch den Schlüssel der Da’ath reden.

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