Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 75 (1931)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Vulliauds Übersetzung des Sifra Di-Zeniutha aus dem Sohar und andere neuere Literatur zur Geschichte der Kabbala [Rezension]
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 360 (sequence 14)
- Language
- German
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360 der Lehre von den zehn Sefiroth vorgezeichneten orientiert hat, da beide Konzeptionen nicht ohne weiteres mit einander in Uebereinstimmung stehen. Im Sohar entspricht aber, wie deutlich ausgesprochen werden muß, kein literarisch zusammenhängendes Stück mehr einer solchen, hypothetisch m. E. anzunehmenden, etwas älteren Entwicklungsschicht. Uebrigens sind es gerade Gedankengänge im S. Z., die nicht mit dieser Schiur-Koma-Symbolik in Beziehung stehen, welche an solchen Soharstellen außerhalb der Idras ihrer rätselhaften Kürze entkleidet und damit aufgehellt werden. Daß V. diese kostbaren Hilfsmittel weder erwähnt noch benutzt hat, wurde schon angedeutet. Solche Stellen sind beispielsweise II, 34 b zu der Schlangensymbolik des § 1, III, 48 a und 60 b zur Erklärung der dämonologischen Stichwörter in § 4, II, 48 a und 52 b für die so rätselhaft scheinenden letzten drei Zeilen dieses Paragraphen, oder I, 96 a für die Deutung von לית משיחא אלא בקרן in § 5. Hiermit soll gesagt sein, daß ein sachlich einwandfreies Verständnis des S. Z., damit also auch eine sinnvolle Uebersetzung im Wesentlichen durchaus möglich erscheint bei sorgfältiger Berücksichtigung dessen, was der Sohar selbst in seinen verschiedenen Teilen dazu beiträgt, und es ist wohl evident, daß dies die Methode ist, welche eine ernstzunehmende Bearbeitung des S. Z. einzuschlagen hätte. V.s Methode ist es nicht. Die Sonderbarkeiten der literarischen Struktur des S. Z., auf die V. überhaupt nicht eingeht, sind schon Ignaz Stern aufgefallen, der in seinem ,,Versuch einer umständlichen Analyse des Sohar" schon 1858 die Hypothese erwog, ob im S. Z. nicht zwei verschiedene Fragmente verbunden seien, von denen das eine über die Vision Jecheskiels, das andere über die Schöpfungsgeschichte gehandelt habe. ,,Denn wirklich ist im ganzen Verlauf des Buches eine derartige abwechselnde Verschiedenheit wahrzunehmen, die auf eine Durcheinanderwerfung zweier Fragmente raten läßt; während das eine in didaktischer Form seine kurzen Lehrsätze vorträgt, bildet das andere einen fortlaufenden Kommentar zur Schöpfungsgeschichte, in welchem zugleich die Lehre von den Buchstaben des Gottesnamens als Hauptagentien bei der Schöpfung eingeflochten wird. Im ganzen Werkchen wechseln diese regelmäßig ab, und nur an einigen Stellen ist im Texte eine Art Uebergang wahrzunehmen''1. Stern hat hier, wie noch oft in seiner trotz aller Irrtümer doch wertvollen und sehr anregungsreichen Arbeit, aus einer richtigen Beobachtung zu schnell quellenkritische Schlüsse gezogen. Er hat nämlich nicht erkannt, daß die ,,kurzen Lehrsätze" des einen ,,Fragments" von Anfang bis zu Ende, und die ,,Kommentare zur Schöpfungsgeschichte" des zweiten von § 3 an durchaus, wie schon oben betont wurde, nichts sind als baraithamäßig abgekürzte Inhaltsangaben der Lehrstücke und Homilien der Idra rabba. Dort sind, speziell in ihrem zweiten Teil, die ,,Fragmente" aber durchaus organisch miteinander und ineinander verschlungen, und an Scheidung 1 Ben Chananja I S. 311. Sterns Bemerkungen über das S. Z. dort S. 308—312, 360—:363 sind eigentlich der einzige Versuch der bisherigen Forschung, sich über diesen Text Rechenschaft zu geben. Daß dieser erste Schritt freilich nicht sehr weit führen konnte, ist begreiflich.