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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1931-01-01 · Heft 5 · p. Seite 357

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
75 (1931)
Issue
Heft 5
Article
Vulliauds Übersetzung des Sifra Di-Zeniutha aus dem Sohar und andere neuere Literatur zur Geschichte der Kabbala [Rezension]
Date
1931-01-01
Page
Seite 357 (sequence 11)
Language
German
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357 In § 4 beweisen vor allem zwei harmlose Kleinigkeiten den rein mittelalterlichen Ursprung: die Benutzung von נפש חיה als terminus technicus für tierische Seele נפש הבהמית im Gegensatz zur נשמתא קדישא setzt die philosophischen Exegesen zum Vers תוצא הארץ נפש חיה oder zu ויהי האדם לנפש חיה voraus, aus denen diese Terminologie stammt (so z. B. in Abraham bar Chijjas Megillath ha-megalle). Die buchstabenmystische Deutung von דו zwei auf das männliche und weibliche Prinzip, auf die hier, wo sie in § 5 wiederholt wird, wie auch sonst im Sohar (III, 10b) großes Gewicht gelegt wird, setzt die im Mittelalter in den Handschriften geläufige korrupte Lesart statt des richtigen דיו döo der alten Texte voraus. In einer Periode, in der man noch die richtige Aussprache und Schreibung des Wortes kannte, konnte diese Deutung, die die Zweibuchstabigkeit des Wortes benutzte, nicht aufkommen. Auch in § 5 sind viele deutliche Indizien der Jugend des S. Z. zu finden, wozu noch eine größere Ausführlichkeit der Darstellung kommt, die sich dem gewöhnlichen Homilienstil des Sohar hier sehr nähert. Nur stückweise verfällt der Autor, als ob er sich seiner Verpflichtung ,,Kürze ist des Witzes Würze“ erinnere, in den abrupten Pointenstil der vorhergehenden Paragraphen zurück. Wenn wir auch hier, wie bisher, von Argumenten aus der allgemeinen Geschichte der kabbalistischen Terminologie absehen, die in diesem Rahmen nicht deutlich gemacht werden können, bleibt noch vieles, das sich sofort der Betrachtung zugänglich zeigt. Mit einer allegorischen Umdeutung und radikalen Ueberspitzung des Talmud- Wortes בראשית נמי מאמר הוא im Sinn der Sefirasymbolik beginnt der Autor, um sogleich mit einer Benutzung der erst dem späten Midrasch bekannten Dualität des oberen und unteren Eden, von der die talmudische Haggada noch nichts weiß, fortzufahren: beide sind dabei schon ihrer eigentlichen Bedeutung entkleidet und zu mystischen Terminis für gewisse geistige Beziike geworden. Das Verhältnis der Wesenheiten ׳Attika und Se’ira zueinander, das in der Idra rabba III, 141a/b in der strengen Terminologie der mittelalterlichen Theologen sehr deutlich als ein mystisches Identitätsverhältnis formuliert wird, wird hier zu einer undeutlicheren, aber paradoxen Formulierung gebracht, bei der die späte philosophische Terminologie aber noch deutlich durch die ,,aramäische“ Verkleidung hindurchscheint: עתיקא לועירא אתפרש ואתדבק! In diesem Stil könnte man den Kusari oder den More ins Aramäische übersetzen, und mit gleichem Recht behaupten, es seien das Schriften aus der talmudischen Zeit. Genau wie im Hauptteil des Sohar oft talmudischen Worten eine mehr oder weniger ausführliche Begründung aus mystischen Gedanken heraus gegeben wird, so auch hier dem bekannten Spruch דבר בשם אומרו (Megilla 15a), der übrigens wie in vielen solchen Fällen als altes Zitat hebräisch gelassen wird. Ja, am Ende des Kapitels wird hier sogar eine Wendung der mittelalterlichen Rechtsspräche נפזיל קרן וריוח, die im Talmud in dieser Verbindung nach gar nicht vorkommt, völlig im Geist der halachamystischen Stücke des Sohar als ein in mystischer Neben- (und hier Haupt-) Bedeutung schillerndes Zitat in den Gedankengang eingebaut. Der Autor verwendet den in der mittelalterlichen Sprache, und nur in ihr sehr

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