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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1931-01-01 · Heft 5 · p. Seite 356

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
75 (1931)
Issue
Heft 5
Article
Vulliauds Übersetzung des Sifra Di-Zeniutha aus dem Sohar und andere neuere Literatur zur Geschichte der Kabbala [Rezension]
Date
1931-01-01
Page
Seite 356 (sequence 10)
Language
German
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356 graphen 4 und 5 sind selbständige Behandlungen des gleichen Themas; § 4 entspricht III, 143b—144a Mitte, § 5 dem Schlußstück III, 144a/b. Die Zitate des S. Z. reproduzieren aber in der Idra rabba zum Teil einen wesentlich besseren Text als im S. Z. selbst, und sind auch zum Teil nicht wörtlich, sondern, was für das Verständnis besonders wertvoll ist, paraphrasiert. Das Vulliaud von diesem kostbaren kritischen Hilfsmittel zum Verständnis seines Objekts keinerlei Gebrauch macht, und die von der Idra (und übrigens auch einer ganzen Zahl anderer im Sohar verstreuten Stellen, an denen das S. Z. zitiert ist) gebotenen Lesarten und wahrhaft authentischen Interpretationen nicht im mindesten berücksichtigt (da seine lateinischen Quellen nicht darauf hin wiesen), wird nicht weiter mehr überraschen. Im § 3 ist in unseren Editionen ein ausführlicher Zusatz als Variante gedruckt, den V. natürlich ebenfalls ohne ein Wort der Kritik seiner Uebersetzung einverleibt. Dieser Zusatz ist nun noch wesentlich später entstanden als das S. Z. selbst: er kennt Ausdrücke, die der Hauptteil des Sohar und die Idras niemals gebrauchen, so z. B. עשר ספירות (der Sohar selbst umschreibt den Ausdruck Sefiroth stets durch andere Termini, außer im Raja mehemna und den Tikkunim), רמזו רויל als Zitationsformel oder gar קבלה אמיתית, wenn von Liedern und Hymnen die Rede ist, die ,,wahre Kabbala“ enthalten. Nun kommt im eigentlichen Sohar das Wort Kabbala für Mystik niemals vor, es werden stets andere Ausdrücke benutzt. קבלה אמיתית gar läßt sich überhaupt erst in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts in hebräischen Schriften nachweisen. Dem Zusatz entspricht auch nichts in der Idra rabba, und es ist kein Zweifel, daß wir es mit einem ganz späten Stück etwa aus dem 14. Jahrhundert zu tun haben, worauf auch die Ausführungen über Gebetsmeditationen hinweisen. In den Soharhandschriften, die ich bisher untersucht habe, fehlt der Zusatz denn auch. In § 3 treffen wir andauernd auf engste sprachliche und sachliehe Zusammenhänge mit dem übrigen Sohar. Sobald die Sätze etwas länger werden, zeigen sich die Charakteristika der seltsamen Syntax des Sohar, Die Vorliebe für die Konjunktion |בגי, die doppelte Umschreibung von Sachverhalten durch einen Ausdruck und die Negation seines Gegenteils (אתטמר ולא אגתלייא), das Erscheinen der Oxymora der Form אתנלייא ולא אתגלייא gehören z. B. hierher. Im Zusammenhang mit weitverbreiteten mittelalterlichen Legendenmotiven auch der christlichen Welt steht die hier in §3 §׳ und 4 und noch oft im Sohar eine große Rolle spielende Dämonisierung der Kainiten (vergl. Ginzbergs Legends of the Jews V, 143). Die mystisch-allegorische Umdeutung der talmudischen Aggada von der Sexualbeziehung Evas und der Schlange bringt ganz späte Theorien über Dämonologie hinein, von denen die talmudische Zeit durchaus nichts weiß. Die Stelle steht in engem, auch durch die Terminologie bewiesenen Zusammenhang mit dem Soharstück I, 16a — beachte besonders den Terminus קינא דווהמא und קינא דפסולתא! —, das zu dem am sichersten zu datierenden Hauptstück der Sidra Bereschith gehört (I, 15a—22b). Das hier vorkommende עלעולין ist eine auch in anderen Soharteilen häufige falsche Lehnübersetzung für ,,böse Geister“, die in gutem Aramäisch undenkbar ist.

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