Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 75 (1931)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Vulliauds Übersetzung des Sifra Di-Zeniutha aus dem Sohar und andere neuere Literatur zur Geschichte der Kabbala [Rezension]
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 355 (sequence 9)
- Language
- German
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355 Denn entweder ist es in der Bedeutung ,,starkes Licht" gemeint: dann ist es aus der Wendung חיטי קודרנית א in Pessachim 7a gebildet worden, wobei der Autor aus der von den Kommentatoren erwähnten Eigenschaft des aus Kurdistan kommenden Weizens, hart- und starkkörnig zu sein, die phantastische Bedeutung stark für das Adjektiv קורדניתא Jcurdisch auch in Beziehung auf ein beliebiges anderes Substantiv erschlossen hätte — ähnliche Mißverständnisse, die natürlich in lebendigem Aramäisch nicht möglichsind, begegnen uns in der Sprache des Sohar noch öfters. Oder aber es ist in der spezifisch mystischen Nüance als ,,dunkles Licht" gebraucht, womit es sich als die aramäische Uebersetzung eines in der Kosmogonie der Ijjun- Gruppe um 1200 zuerst auftauchenden Terminus technicus אורהנחשך qualifiziert (gute alte Texte haben noch die Lesart קדדינותא erhalten!), und dies wäre nicht das einzige Beispiel für die Beeinflussung der Idra und des S. Z. durch die Anschauungen jenes Kreises. Die ganze Lehre von den 13 Bartformen des Arich Anpin ist, wie die lange Ausführung in der Idra rabba III, 131a—139a, die in § 2 des S. Z. in Stichworten wiedergegeben ist, es sehr deutlich macht, nichts als die Weiterentwicklung und mystische Verkleidung der in jenen Texten vorgetragenen Lehre von den 13 Quellen, die als die 13 מדות הרחכדם aus Kether eljon, der höchsten Sefira, hervorbrechen. Das S. Z. drückt das durch eine allegorische Umdeutung einer talmudischen Wendung aus Ta’anith 25a aus, wo in,einem ganz anderen Sinne von den תליפר נהרוותא דמשחי אפרסמק דכיין die Rede ist. Die allegorische Benutzung talmudischer Zitate ist natürlich erst im Mittelalter möglich. Schon in § 1 werden der Beginn der ברייתא דמצשה בראשית und die Deutung des Verses יהי איד in Bereschith Rabba in derselben Art zitiert, wie ein mittelalterlicher דרשן mit alten Zitaten spielt und wie wir es auf jedem Blatt des Sohar wiederfinden. Lesen wir am Ende von § 2 etwa חוטמא פרצופא דזצירא לאשתמודצא, so haben wir es in dem ,,uralten" S. Z. mit einer völlig meh’zamäßigen, spielerischen Benutzung einer bekannten Miscbna in Jebamoth über die Nase als Erkennungszeichen des; Gesichts zu tun, die im 2. Jahrhundert absolut undenkbar, derengleichen im 12. oder 13. Jahrhundert dagegen als Stilmittel gang und gäbe ist. מתשצרין בשעורא in § 2 ist ein später Hebraismus. Die Zufügung von ודאי zu einem Bibelvers oder einem Teil davon, um darauf hinzuweisen, daß er als aus mystischen Termini technici zusammengesetzt gelesen werden muß, ist de! ständige Sprachgebrauch der übrigen Soharteile, aber keineswegs der von ולאי in den alten Midraschin. Während, wie schon angedeutet, § 2 des S. Z. ganz genau der Idra rabba 131a—139a Mitte entspricht, und auch mehrfach dort mottomäßig zitiert wird, läßt sich auch in § 3 jeder Satz als Abkürzung einer Ausführung in dem Teil der Idra III, 139a Mitte bis 143a unten nachweisen. Der schwierige Text wird erst, wenn man dies bemerkt und berücksichtigt, verständlich. Während die Idra rabba in den ersten zwei Teilen, über Arich- und Se'ir-Anpin, mehr den jeweilig ersten Hälften der Paragraphen des S. Z. entspricht, lenkt der Endteil, von III, 141b an, mit einer Deutung von וייצר ganz klar in eine Exegese der Sidra Bereschith ein. Die Para- 23*