Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 75 (1931)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Vulliauds Übersetzung des Sifra Di-Zeniutha aus dem Sohar und andere neuere Literatur zur Geschichte der Kabbala [Rezension]
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 352 (sequence 6)
- Language
- German
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352 Alter dieses Textes gegenüber anderen Hauptstücken zu erweisen. Vielmehr zwingt die Sprache zu der Folgerung, daß der Autor, der Aramäisch nur als Kunstsprache beherrschte, tief unter dem Eindruck des mittelalterlichen Hebräisch steht. Seine mystische Terminologie ist in nichts von der der anderen Soharhauptteile unterschieden, und weist durchaus aufs 13. Jahrhundert. In der Benutzung und mystischen Umdeutung talmudischer und midraschischer Zitate verrät er genau die gleiche Methode wie der Hauptteil des Sohar: die eines typischen mittelalterlichen Homiletikers, nur daß er die betreffenden Motive nicht weiter ausführt, sondern in beabsichtigter Kürze als Repetitorium gewisser kabbalistischer Gedankengänge stehen läßt. Das Buch entspricht ursprünglich genau dem Aufbau der Idra rabba und ist von demselben Autor zugleich mit dieser ausführlichen Schrift verfaßt worden. Die abrupte Form des S. Z. ist nicht aus einem älteren Stil organisch herausgewachsen, sondern ist nur die künstliche Verkleidung, in der der Lehrinhalt der Idra rabba vorgetragen wird: indem die recht ausführlichen Darlegungen der Idra in einer mystifizierenden Form mnemotechnisch oder nach Art eines Inhaltsverzeichnisses oft nicht einmal zu Sätzen, sondern nur zu Stichworten und Stich-Belegversen abgekürzt wurden, entstand ein Text, der gleichsam als Motto über den Text, aus dem er genommen war, gesetzt werden konnte, was der Autor oder der letzte Redaktor der Idra (falls sie verschieden voneinander sind) denn auch getan haben, wenn er nicht etwa, was ebenso sehr möglieh ist, als Inhaltsangabe des ausführlicheren Buches zuerst entworfen wurde. Das sind einige der wichtigsten Thesen, durch die die Stellung des S. Z. charakterisiert werden kann und für die ich Beweise anführen werde. Indem beiden Texten, der Idra rabba und dem S. Z., letzterem aber zum Teil deutlicher, die Form eines freilich sehr lücken- und sprunghaften Kommentars zur Sidra Bereschith ge״ geben wurde, erhielten sie ein festeres Gerippe. Nur an einigen Stellen ist der Text, wie er uns vorliegt, also zumindest in den Drucken, verderbt, so daß ganz sinnlose, offenbar korrupte Worte das Verständnis unmöglich machen — genau wie in den anderen Teilen des Sohar. Zweifellos ließe sich durch Heranziehung der Handschriften (von deren Existenz übrigens Vulliaud keine Ahnung hat) hier noch weiterkommen. Betrachten wir nun einige Details aus dem S. Z. Von den fünf Kapiteln oder Paragraphen, in die das Büchelchen zerfiel, entspricht § 1 genau, Satz für Satz zum Teil, dem Stück der Idra rabba im Sohar III, 128a—130b. Die erzählenden Stücke wurden bei der Herstellung dieser ,,anonymen Baraitlia“ ausgelassen resp. nicht berücksichtigt. Der erste Satz des S. Z. paraphrasiert noch in ungewöhnlicher (und dann nicht mehr vörkommender) ausführlicher und pathetischer Weise den Beginn des Lehrvortrages R. Simon bar Jochajs über die Urkönige. Daß diese Lehre, die auf einer ausgesprochen allegorischen Umdeutung eines von einem Amoräer des 3. Jahrhunderts stammenden Ausspruchs im Midrasch Bereschith Rabba beruht,.nicht aus der Schule des Simon ben Jochaj im 2. Jahrhundert stammen kann, ist evident. Und in der Tat lassen