Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 75 (1931)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Vulliauds Übersetzung des Sifra Di-Zeniutha aus dem Sohar und andere neuere Literatur zur Geschichte der Kabbala [Rezension]
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 351 (sequence 5)
- Language
- German
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- Safed 1× ep/1046078
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351 Zeit, in der von der innern Geschichte ־and Entwicklung der kabba־־ listischen Gedanken noch nichts bekannt war, im 17. Jahrhundert, durfte Knorr von Rosenroth als gläubiger christlicher Schüler der von Safed kommenden Kabbala nach glauben, in den lurjanischen Schriften die authentische Interpretation des Sohar vor sich zu haben. Er übersetzte daher in seinem großen Sammelwerk Kabbala Denudata große Stücke eines von Chajim Vital oder Lurja selbst stammenden, zum Teil höchst phantastischen Kommentars zum S. Z., der zwar für die Kenntnis der lurjanischen Ideen und ihrer exegetischen Anknüpfung an einen heiligen Text recht interessant ist, zum richtigen Verständnis des S. Z. aber nur sehr wenig beitragen konnte. Vulliaud, der offensichtlich nur solche kabbalistischen Texte liest, die schon irgendwo übersetzt sind, aber von der unübersetzten und für die Soharkritik so wichtigen kabbalistischen Literatur des 13. Jahrhunderts keinerlei Kenntnis verrät, hat seine meisten Erklärungen aus Knorr von Rosenroth geholt, ohne sich über deren Wert und Ursprung im geringsten Rechenschaft zu geben. Daß eine philologisch einwandfreie Uebersetzung — und auf eine solche will V. erfreulicherweise hinaus — sich an anderen Instanzen als der lurjanischen Kabbala zu orientieren hat, diese Einsicht muß einem mit Prätention und Gewicht auf tretenden Autor im Jahre 1930 noch bewiesen werden. So stehen wir. Der Vorteil, den ein so in sich geschlossener und kurzer Text wie das S. Z. für die kritische Betrachtung bietet, ist meines Erachtens sehr groß. Hier nämlich darf einmal mit dem Detail argumentiert werden, ohne daß der so beliebte und ach so unbestimmte Einwand ,,späterer Interpolationen'' erhoben werden kann. Verweisen doch gerade die Vertreter der Anschauung, wonach der Sohar aus einem Gemisch ,,uralter" und ״später" Stücke bestünde, immer eben auf das S. Z. als ein unzweideutiges Exempel der ״alten" Vortragsart, und ich glaube, es ist recht nützlich, in Verfolg der oben aufgeworfenen Fragen einmal zu sehen, wie es sich mit dem angeblichen Alter des S. Z. eigentlich verhält. Da ich selbst die Möglichkeit solcher Scheidung nicht a priori bestreite und lange Zeit an den Versuch gewandt habe, ihr eine eventuelle Basis durch Analyse der Sprache und des Aufbaus des Sohar zu schaffen, wird man das Resultat nicht als mir von vornherein feststehend betrachten. Im Gegenteil, ich hoffte einmal eher das Gegenteil von dem Resultat zu erhalten, das ich hier begründen will, aber gerade die Jugend des S. Z. war eines der ersten Ergebnisse, die sich mir bei den Untersuchungen über den Sohar aufdrängten. Wenn ich im Folgenden meine eigene Ansicht über das S. Z. vortrage, ohne dabei V.s viel zu gedenken, so scheint dies die beste Kritik von Behauptungen, die, so unbewiesen sie auch aufgestellt sind, doch in der heutigen verworrenen Situation der Religionsgeschichte leicht nachgesprochen werden. Nur auf die Uebersetzungen V.s werde ich an einigen Stellen hier näher eingehen. II. Das S. Z. hängt sprachlich so außerordentlich eng mit anderen Teilen des Sohar zusammen, daß es nicht möglich ist, etwa ein höheres