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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1931-01-01 · Heft 5 · p. Seite 346

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
75 (1931)
Issue
Heft 5
Article
Das Problem des göttlichen Willens in der Schöpfung nach Maimonides, Gersonides und Crescas
Date
1931-01-01
Page
Seite 346 (sequence 12)
Language
German
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346 sich auf eine Anzahl von Beweisen, die in späteren Kapiteln folgen1. Fassen wir unsere wesentlichen Schlußfolgerungen zusammen. Maimonides beansprucht nicht, einen Beweis — auch nicht ex absurdo — für die Schöpfung in der Zeit zu erbringen. Der einzige Zweck seiner Argumentation ex absurdo, Moreh II, 19—24 ist, die Tatsache der Schöpfung in dem Sinne darzulegen, daß alles durch den freien Willen eines ewigen Wesens geschaffen worden sei. Daß die Schöpfung keine ewige gewesen sei, nimmt er nur auf Grund der biblischen Lehre an, so wie er auch den Glauben an eine creatio ex nihilo darauf gründet — eine Lehre, die durch das Argument des göttlichen Planes ausreichend gestützt wird, da die Tatsache, daß alles Sein durch einen Willen geschaffen wurde, mit der Lehre durchaus übereinstimmt, daß sein Anfang in der Zeit lag und aus dem Nichts hervorging. Ohne die Lehre der Genesis, — oder aber, falls ein bündiger Beweis erbracht würde, könnte indessen eine ewige Schöpfung angenommen werden, da der bestimmende Wille, der hinter der Schöpfung steht, die Grundlagen der Religion: das Wunderbare und Uebernatürliche, gewährleistet. Diese Weite der Auffassung kann sich indessen nicht auf die Ewigkeit der Welt im aristotelischen Sinne erstrecken, weil diese die Negierung des Willens in sich schließt, und deshalb mit den Fundamenten der Religion unmöglich vereinbar ist. Die einzig mögliche Haltung der aristotelischen Theorie gegenüber ist die absoluter Ablehnung. Man mag das Mystizismus nennen2, aber es liegt darin der Weg einer religiösen Ueberzeugung, die an Gott festhält, allen feindlichen Situationen und Mächten zum Trotz. Crescas steht andererseits — im Gegensatz zu Maimonides, der das Wesen des Willens in der Freiheit zu handeln oder nicht zu handeln sieht — auf dem Standpunkt, daß das Moment der Notwendigkeit an den freien Willen gebunden ist, und die Welt daher so ewig sein muß, wie der Wille, aus dem sie entsprang. Trotzdem überläßt Crescas sich, aus Furcht vor seinen eigenen logischen Schlüssen, einem einfachen, kindlichen, religiösen Glauben, wenn er die Lehre von der Schöpfung in der Zeit annimmt. ,,Nach allem“, so schließt er, ,,ist die echte Wahrheit die, die uns ausgehändigt wurde: daß die Welt zu einer bestimmten Zeit geschaffen wurde“3. Hierin erweist sich Crescas weniger konsequent als Maimonides, für den, obwohl eines solchen Ausdrucks höchsten Glaubens fähig4, in diesem Punkte keine philosophische Schwierigkeit bestand, da er sich damit abgefunden hatte, daß das Schöpfungsproblem jenseits alles Wißbaren liege. Wie Maimonides aber gibt er zu, daß 1 s. Joel, Levi b. Gerson etc. S. 74. 2 s. Waxman, M., J. Q. R., XIX (N. S.) S. 418. 3 Or Adon. III, 1, 5 אלא שהאמת הגמור כפי מה שבא בקבלה והוא שהק״בה חדשו והמציאו בעת ידוע. Auf die Frage, warum Gott eine Schöpfung in der Zeit gewollt hat, antwortet Crescas versuchsweise: weil Er in seiner Weisheit wußte, daß jeder Augenblick der Ewigkeit zu dem Zweck in gleicher Weise geeignet war — eine Antwort, die sich als das Ergebnis einer völligen Uebernähme der Ansicht Maimonides’ erweist, die er so kühn angegriffen hat. 4 Zu Maimonides’ ausdrücklicher Erklärung, daß er seinen Glauben an einen frei bestimmenden Willen nicht hinter dem Schema der Dinge zurücktreten lassen würde, sogar angesichts des bündigsten Gegenbeweises, s. ob. S. 389, Zeile 33 ff.

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