Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 75 (1931)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Das Problem des göttlichen Willens in der Schöpfung nach Maimonides, Gersonides und Crescas
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 345 (sequence 11)
- Language
- German
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345 bringt, die zu der Ansicht zwingen, daß Gott die Welt aus einem freien Willen und nicht aus Notwendigkeit geschaffen hat, diskutiert er die Prinzipien, nach denen sich die durch den Zwang einer Naturnotwendigkeit handelnden Dinge von denen unterscheiden, die von einem Willen geleitet sind. Erstens setzt ein naturhaft handelndes Ding sich nicht selber ein Ziel, noch richtet es sein Tun nach einem vorgefaßten Plan. Wir können z. B. nicht fragen, zu welchem Zweck das Feuer brennt. Anderseits sind die Handlungen eines Dinges, das unter der Leitung eines Willens steht, zweckbestimmt. Zweitens sind die kraft ihrer Natur handelnden Dinge in ihren Handlungen durch ihre eigene, besondere Seinsart bestimmt und wirken immer auf dieselbe Weise. Das gilt nicht von den einem Willen unterwoxfenen Dingen, die vollkommen unter der Herrschaft der ihren Willen bekundenden Macht stehen. Drittens kann das Wesen des seiner Natur gemäß handelnden Dinges nichts außerhalb seiner umfassen, von dem man sagen könnte, es bestimmte seine Handlungsweise; was jedoch von einem Willen erzeugt wurde, kann in seinem Wesen etwas enthalten, was für ein Wesen außerhalb seiner bezweckt wurde. Wenden wir diese Kriterien auf die Welt der körperliehen Erscheinungen an, an denen uns die Anordnung und Bereitung eines jeden Teils in ihrer gegenseitigen Uebereinstimmung und Harmonie auffallen muß, so müssen wir zugeben, daß die Welt durch einen Willen geschaffen wurde und nicht durch das Resultat einer Notwendigkeit entstand1. Wenn man aber — so meint Crescas — all diese unterscheidenden Prinzipien, die in der Welt herrschen, einem wollenden Vernunftwesen zuschreibt, das von Ewigkeit her das Dasein und den Zweck des Daseins denkend erfaßt hat, dann hängt der ganze Beweis in der Luft2. Dann aber enthält Gersonides’ Argument eine p e t i t i o principii3. Sein Beweis, der besagt, daß die Welt erschaffen sei, ist auf einer Voraussetzung aufgebaut, die keiner, der den Schluß bezweifelt, annehmen kann. Denn zu meinen, die Welt könne nicht ewig sein, weil sie Sinn und Zweck hat. hieße behaupten, daß Sinn und Zweck nur bei in der Zeit erschaffenen Dingen zu finden sind, nicht aber in den von Ewigkeit her durch einen ewigen Willen hervorgebrachten. Diese Kritik des Crescas an Gersonides stellt nur eine andere Seite derselben Ungenaüigkeit in der Interpretation dar, die in den Wurzeln seines Angriffes auf Maimonides liegt. Hätte Gersonides beabsichtigt, aus dem Vorhandensein eines Zweckes die Schöpfung in der Zeit zu beweisen, dann wäre Crescas’ Kritik begründet. Aber es ist offensichtlich, daß Gersonides im Augenblick nur zu beweisen dachte, daß die Welt das Resultat eines Willens und nicht eine Naturnotwendigkeit ist, und als solche die Ewigkeit nicht ausschließt4. In bezug auf die Schöpfung in der Zeit stützt er 1 Milchamoth 6, 1, 6 ff. . , f t 2 Or Adon. in, 1, 4 שאם יחלק הבעל דין ויאמר שהסגולות אשר יחדם להווה יחדו לנאצל מבעל שכל יפלו כל מופתי המין ההוא. 3 Ibid. a. a. 0. ולזה הוא מבואר בכל המופתים ההם שהם נערכים על הדרוש. Vgl. Wolfson a. a. O. 335 f., Anm. 14, wo der Ausdruck מערכה על הדרוש ausführlich erklärt wird. 4 Dieses Argument ist bereits von Abarbanel שער השמים S. 2ל vorweggenommen worden.