Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 75 (1931)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Das Problem des göttlichen Willens in der Schöpfung nach Maimonides, Gersonides und Crescas
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 344 (sequence 10)
- Language
- German
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344 entstehen und Einfaches nur aus Einfachem hervorgehen kann1. Gesetzt jedoch, ein denkender Urheber bezweckt und ordnet alle Dinge nach seinem Wissen, Plan und Willen, so kann auf diese Weise das Vielfache und Zusammengesetzte aus dem Einen und Einfachen durch einen alles vermögenden Willensakt hervorgehen. Crescas greift diese Beweise jedoch als unzulänglich an. ,,Die Argumente“, behauptet er, ,,beweisen nur einen göttlichen Plan, schließen aber nicht die Möglichkeit aus, daß dieser Plan das Resultat der in Gott begründeten Notwendigkeit ist; und obgleich eine solche Notwendigkeit auf den Willen zurückführbar ist, — was konnte den Willen gehindert haben, ewig zu sein? Das möchte ich wohl wissen!“2 Analysiert man diese Kritik im Lichte dessen, worauf bereits hingewiesen wurde, dann erhellt, daß sie sich auf einen verschwindend kleinen Punkt erstreckt. Die Kritik besagt zweierlei. Erstens, daß der Zweck nicht eine im göttlichen Willen begründete Notwendigkeit ausschließt; zweitens, daß kein Grund besteht, warum der Wille nicht ewig sein sollte. Darauf würde die klare Antwort lauten: Was den ersten Punkt des Beweises betrifft, so ist er zur Genüge von Maimonides in Kap. 19 und 21 diskutiert worden, wo er Not- Wendigkeit und Willen als zwei einander ausschließende Begriffe erörtert, da das wahre Wesen des Willens darin liegt, daß er frei und keiner Notwendigkeit unterworfen ist. Crescas aber hat trotz seiner gegenteiligen Kritik das Problem seiner Lösung in keiner Weise näher gebracht, — da alle seine Argumente in diesem Zusammenhange bereits von Maimonides vorweggenommen und zur Genüge dargelegt worden sind, und er von ihrer Ueberzeugungskraft als bündige Beweise für die Ewigkeit der Welt nicht durchdrungen schien. Der zweite Punkt der Kritik ist völlig belanglos. Maimonides hatte, wie bereits gezeigt, nicht die Absicht, die Schöpfung in der Zeit mit dem Argument des göttlichen Planes zu belegen, ebensowenig, wie er mit Hilfe desselben Argumentes die creatio ex nihilo beweisen sollte3. Sein alleiniges Ziel war, den Beweis zu erbringen, daß ein Zweck in der Natur auf einen Willen hinweist, der seinerseits dadurch, daß er frei ist, die logische Möglichkeit einer Welt nicht ausschließt, die sowohl in der Zeit als von Ewigkeit her geschaffen sein kann. Auf Grund dieser Erkenntnis kann er ungehindert dazu übergehen, sich hinsichtlich der Frage der Schöpfung in der Zeit und ex nihilo mit dem wörtlichen biblischen Bericht zu befassen. Wenn wir uns nun Crescas' Gersonides-Kritik zuwenden, bemerken wir denselben Mangel an Fähigkeit, den eigentlichen Gegenstand der Beweisführung des Gersonides zu erfassen, mit der dieser seine Schöpfungstheorie einführt. Indem Gersonides Gründe vor- 1 Moreh II, 22 גזירח מוסכם עליח כי הדבר הפשוט אי אפשר שיתחייב ממנו אלא פשוט אחד. 2 Or Adon. in, 1,4 ולזאת הטענה ההיא תחייב מציאות התכלית ..• אבל לא ימנע בהמ המצאם ע״צ החיוב ממנו יתברך ואם א״א מבלתי^יתחיב רצון רוצה הנה מד, המונע שלא הי" הרצון ההוא קדום ג״כ. מי ייתן וארעי 3 Nicht wie Crescas, der glaubte, daß Maimonides wirklich beabsichtigt habe, die Schöpfung aus dem Nichts zu beweisen. שאם הודינו בהם שיתנו האמת בזה הדרוש לא יתחייב היות. חדוש מן האפס הגמור אבל אולי היה שם חומר קדום כדעת אפלטון. Auf diese Kritik Crescas’ ist schon von Neveh Shalom, S. 5b hingewiesen worden.