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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1931-01-01 · Heft 5 · p. Seite 342

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
75 (1931)
Issue
Heft 5
Article
Das Problem des göttlichen Willens in der Schöpfung nach Maimonides, Gersonides und Crescas
Date
1931-01-01
Page
Seite 342 (sequence 8)
Language
German
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342 Gottes bewirken, noch kann sie durch eine andere Ursache als seinen Willen bestimmt worden sein. ,,Diese Widerlegung/* so schließt Maimonides, ,,ist ebenso schwierig wie tiefgründig“1. Und ,,schwierig und tiefgründig“ ist sie in der Tat. Crescas schien Maimonides1 religionsphilosophische Methode nicht richtig einzuschätzen, als er sich mit diesem so sehr schwierigen Problem befaßte. Indem er behauptete, Maimonides habe gemeint, der Uebergang von Potentialität zu Aktualität könne keine Veränderung der Gottheit bewirken, klagt er ihn eines Widerspruchs mit sich selbst an. Erfordere dieser Uebergang nicht eine Ursache, die für den Prozeß verantwortlich sei, der seinerseits eine Veränderung der wirkenden Kraft mit sich bringen mußte?2 Und ferner, wie gänzlich ohne Bezug ist für die Diskussion die Analogie des Aktiven Intellekts! Es ist offensichtlich — darauf weist bereits Neweh Schalom hin3 —, daß Crescas den springenden Punkt in Maimonides' Argumentation übersehen hat. Natürlich bringt jeder Uebergang von Potentialität zu Aktualität eine Veränderung des Agens mit sich — eine Wahrheit, die Maimonides nie bestritten hätte. Die Frage, die Maimonides erörtert, ist, daß die Konzeption eines Ueberganges von einem Zu־־ stand zum anderen nur an körperliche Substanz oder Kraft gebunden sein kann, deren Aktivität durch die Form bedingt ist, in der sie aus ihrer passiven Potentialität herausgerissen wird4. Aber bei einem unkörperlich Wirkenden, dessen ,,Existenz“ vollkommen ist und nichts mehr enthält, was möglich wäre, und besonders bei Gott, der die höchste Vollkommenheit darstellt, findet ein derartiger Prozeß keine Anwendung. Unkörperliche Wesen sind unablässig in a c t u, wenn auch die sichtbare Aktualisierung aus diesem oder jenem Grunde5 nicht immer zum Vorschein kommt — beim Aktiven Intellekt deshalb, weil eine geeignete Substanz, auf die er einzuwirken hätte, fehlt; bei Gott darum, weil sein Wille zu dieser und keiner anderen Zeit sich äußerte. Auch in seiner Kritik der maimonidischen Behandlung der Frage nach dem göttlichen Zweck in der Schöpfung beachtet Crescas nicht, daß Maimonides dem freien, an keine Notwendigkeit gebundenen Willen, den höchsten Platz einräumt. Da Crescas Maimonides so verstand, als meine er, Gott verfolge mit der Schöpfung keinen Zweck — der nämlich zu der Frage Anlaß gäbe, warum sich Gottes Schöpferwille nicht früher äußerte, — erklärt Crescas dies für eine Sinnwidrigkeit6. Selbstverständlich muß Gott als vernünftiges Wesen einen Zweck im Auge gehabt haben, nämlich den Zweck, seine Göttlichkeit und Liebe über seine Schöpfung auszuströmen. Und folgt 1 והתרת זה הספק כבדה והיא דקה מאד. 2 ör Adon., III, 1, 4: שהכפרד (אשר) הוא בפועל תמיד ♦ ♦ . ואין בר דבר מן הכח המאמר בו שיצא מכת אל הפועל הוא מאמי סוחר עצמו. 3 Abraham Schalom b. Isaak, S. 5a י־ש להפלא מחכמת זה האיש שרצה לייחס לרב ז״ל מה שלא האמינו... וידוע שהרב לא יחם לנפירד־ יציאה מבח אל הפועל בשום צד, אבל אמר וזה לשונו ואין זה שנוי בכח הנפרד ולא יציאה מכח אל הפועל. Vgl. ferner Wolfson, H. A., Crescas’ Critique of Aristotle, S. 679, Anm. 10. 4 Cf. Moreh I, 68. 5 Moreh II, 18. ... 6 Or Adon. 111, 1, 4 כי אם היה שהפועל בכלל יש לו תכלית והוא ההטבה והחנינה הנה היותו פועל בעת ידוע הוא פועל מה שאין לו תכלית וזה מגונה בחק בעל שכל כל שכן בחק השם יתברך.

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