Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 75 (1931)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Das Problem des göttlichen Willens in der Schöpfung nach Maimonides, Gersonides und Crescas
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 341 (sequence 7)
- Language
- German
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341 die Ewigkeit der Welt zu behaupten, sind zwei aus dem Wesen Gottes abgeleitet. Die Schöpfung in der Zeit, so wird gesagt, schließt notwendig den Uebergang von der Potentialität zur Aktualität in sich. Aber zu einem derartigen Prozeß gehört eine Veränderung der wirkenden Kraft, die unter dem Druck einer ihr innewohnenden oder außerhalb ihrer sich äußernden Ursache zu wirken gezwungen war1. Ferner muß die Inaktivität einer wirkenden Kraft einer hemmenden Ursache oder einem Widerstand zugeschrieben werden, durch die sie in ihrer Tätigkeit gehindert wird2; keines der beiden kann jedoch mit Bezug auf Gott angesichts seiner Unveränderlichkeit und Allmacht zugestanden werden. Keines dieser Argumente erscheint jedoch Maimonides beweiskräftig. Aus der Tatsache, daß Gott ewig wirkend ist, folgt nicht, daß seine Kraft zu wirken immer tatsächlich vorhandene Wirkungen erzeugen müßte. Der Aktive Intellekt bietet dafür ein treffendes Beispiel. Es gibt Philosophen3, die der Ansicht sind, daß der formschaffende Aktive Intellekt, obwohl er unaufhörlich aktiv ist, seine Aktivität jedoch nicht beständig in konkreter Materie verkörpert, da eine derartige Verkörperung von der Aufnahmefähigkeit einer geeigneten Substanz abhängig ist, auf die er einwirken soll. Daraus geht hervor, daß Aktualisierung aus Aktivität nicht notwendig folgen oder eine Veränderung der wirkenden Kraft mit sich bringen muß. Es mag eingewandt werden, daß die Analogie des Aktiven Intellekts irreführend ist. Beim Aktiven Intellekt handelt es sich um den Widerstand der Materie, auf die eingewirkt wird. Das kann auf die allmächtige All-Ursache, deren ewiges Wirken durch kein Hindernis und keinen Mangel aufgehalten werden kann, nicht zutreffen. Aber ein solches Argument, so erklärt Maimonides, würde nur dahin führen, den göttlichen Willen einer Notwendigkeit zu unterwerfen. Wenn Gott immer darum schaffen mußte, weil unbehindert er schaffen konnte, wo bleibt dann der freie Wille?! ,,Das eigentliche Wesen des Willens“ — und das ist der Schlüssel zu seiner Methode im Gegensatz zu der jener ,,modernen Philosophen“, denen Crescas gefolgt ist — ,,ist eben gerade die Fähigkeit, zu dieser und keiner anderen Zeit zu wollen“4. Wäre die Schöpfung notwendig gewesen, um einen Mangel in Gott auszugleichen, oder ihm ein Bedürfnis zu befriedigen, wie bei ,,einem Manne, der ein Haus baut“, dann hätte die Frage, warum Gott nicht eher wollte, daß dieser Mangel beseitigt und dieser Wunsch erfüllt werde, eine gewisse Berechtigung. Aber da man nicht sagen kann, Gott habe die Schöpfung für seine eigenen Zwecke ins Werk gesetzt, so kann sie weder eine Veränderung 1 Moreh 11, 18 שיתחייב לנו... שהשם יצא מן הכת אל הפועל כשהיה ©ועל עת אחת ולא ־יפעול עת אחרת. 2 Ibid.; Cf. II, 14. 3 Alfarabi in seinem De Intellectu e,t intellecto \JlzS s. Munk, Guide II, 139, Anm. 1. 4 Moreh 11, 18 שאמיתת הרצון ומהותו וה עניינה שירצה ושלא ירצה. Das ist auch die Ansicht von Al-Gaz'ali in seinem Tahäfut: ״La volonte est une facult£ dont l’essence est de distinguer une chose d’avec une autre semblable possible“ (Carra de Vaux, Musäon 1899, S. 284); ähnlich drückt Sädja in Emunoth dieselbe Meinung im Schlußsatz des ersten Kapitels aus: בי זה דרך כל בעל בחירה שיעשה בכל עת שירצה.