Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 75 (1931)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Das Problem des göttlichen Willens in der Schöpfung nach Maimonides, Gersonides und Crescas
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 339 (sequence 5)
- Language
- German
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339 größtenteils nicht stichhaltig. Das ist nun aber doch merkwürdig, Maimonides hat niemals beabsichtigt, einen Beweis, nicht einmal einen solchen ex absurdo, für die Weltschöpfung zu erbringen. Was er einzig und allein zu beweisen sich bemühte, war, daß die Welt ein Produkt des freien Willens sei, womit das Erschaffensein der Welt ebenso möglich wird wie ihre Ewigkeit. Auf dieser Grundlage kann die biblische Lehre ohne weiteres angenommen werden, ohne daß man fürchten muß, sich zu den unbezweifelbaren und fest gegründeten Wahrheiten der Philosophie in Widerspruch zu setzen. Daß Maimonides sich nur so weit auf das logische Denken berufen wollte, wird aus dem Folgenden deutlich. Nachdem er dargelegt hat, daß jene modernen Philosophen1, die behaupten, daß Gott die Welt zwar durch seinen Willen geschaffen habe, daß sie aber immer so sein mußte und sein wird, den Ausdruck ,,notwendige Folge" preisgegeben, den Begriff jedoch beibehalten haben — viel־ leicht, um einen angreifbaren Ausdruck zu vermeiden2 — kommt Maimonides zu diesem Ergebnis: Es besteht kein Unterschied zwischen der aristotelischen Ansicht, daß die Welt ein notwendiges Resultat ist und der unsrigen, daß sie kraft eines Willens entstand. Wir haben alle nur einen und denselben An־ fangspunkt im Auge3. Der Unterschied löst sich in eine bloße Frage des Verhältnisses auf. Während bei Aristoteles das Verhältnis zwischen Gott und der Welt ein kausales ist, und alles außer ihm selbst eine notwendig folgende Emanation darstellt, ist unserer Ansicht nach dieses Verhältnis das des Schöpfers zu seinem Werk, und die ganze Welt ist das Resultat des göttlichen Plans und Willens. Aus all dem geht klar und deutlich hervor, daß es nicht Maimonides' Absicht war, die Erschaffenheit der Welt zu lehren; er wollte vielmehr zeigen, daß das Wesen des Verhältnisses zwischen Gott und Schöpfung nicht das von Ursache und Wirkung, sondern das des freien Willens war, der eine zeitliche Schöpfung nicht weniger zuläßt als eine ewige. Diese Darlegung der Stellung des Maimonides gestattet uns, seine Zusammenfassung des Problems in Kapitel 25 näher zu beleuchten. Wir lehnen, so erklärt er, die Ewigkeit der Welt nicht deshalb ab, weil gewisse Stellen in der Schrift die Schöpfung bestätigen; denn diese könnten sich in irgend einer Weise in Uebereinstimmung mit der Theorie erklären lassen. Aus zwei Gründen aber haben wir das nicht getan. Erstens, weil die Theorie nicht bewiesen ist, und infolgedessen kein ausreichender Grund vorliegt, den wörtlichen Sinn des biblischen Textes bildlich hinwegzudeuten. Zweitens, weil die Annahme der Theorie zur Verwerfung der gesamten Thora führen und im Widerspruch zu den Grundlagen unserer Religion stehen würde4. Diese beiden Gründe des Maimonides, wie 1 Behmenyar, ein Schüler des Avicenna, ist Repräsentant dieser ״modernen Philosophen“ (אלפלאספ״ה אלקאילין), s. De Boer, Philosophie des Islam, S. 147. 2 Moreh II, 21: שנו מלת החיוב והשאירו ענינו אולי שהם כוונו ליפות המליצה או להסיר ההרחקה. 3 Ibid. כלנא נחו מבדא ואחד) כלנו אל התחלה אחת נכוין). * Moreh II, 25 הנה היא סותרת לדת 4.4 תפול התורה בכללה. 22*