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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1931-01-01 · Heft 5 · p. Seite 331

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
75 (1931)
Issue
Heft 5
Article
Neue Literatur über Paulus und das Urchristentum [Rezension]
Date
1931-01-01
Page
Seite 331 (sequence 4)
Language
German
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331 läßt die Sakramente aus der Eschatologie hervorgehen. Diese hat die Nötigung gefühlt, die Erwählten zu kennzeichnen für die Teilnähme am Gottesreich. So hätte schon die Taufe des Johannes, die Speisung, die Jesus mehrfach austeilte, wie sein Abschiedsmahl einen sakramentalen Sinn gehabt. Schweitzer gibt zu, daß das Judentum nicht sakramental denkt, möchte aber in der jüdischen Eschatologie wenigstens Anhaltspunkte für Sakramente finden (Ez 94-u, Ps Sal 154-9). Es ist aber merkwürdig, daß im Judentum doch nie Sakramente entstanden sind1. Wenn alle diese Juden Johannes der Täufer, Jesus, Paulus nach Schweitzer notwendig zu Sakramenten kommen mußten, wie seltsam, daß die Beschneidung, der Kiddusch, der Sederabend u. a. nie zu Sakramenten geworden sind, auch nicht in Kreisen, die von gleicher eschatologischer oder mystischer Glut erfaßt waren wie jene Männer! Sollte nicht trotz Schweitzer das Sakramentale aus dem Hellenismus ins Christentum hineingetragen worden sein? Sind wirklich die Versuche einer solchen Ableitung, die die religionsgeschichtliche Schule unternommen hat, so ergebnislos? Zweifellos lebte Paulus in der hellenistischen Welt und kannte ihre Ideen und ihre Mysterien. Gewiß zeigt Schweitzer eindrucksvoll die großen Schwierigkeiten für ein Verständnis der Geschichte des Urchristentums, die sich aus solcher Ableitung ergeben. Aber die seinige vermag auch nicht zu befriedigen. Ebenso einseitig erscheint es, daß nach Schweitzer (S. 180) Paulus zur Heidenmission nur kam, ־weil ihn die Logik seiner Mystik dazu zwang: die Zahl müsse voll werden, damit das Ende komme. Immer wandte sich Paulus zuerst an die Juden und erst nach ihnen an die Heiden. Immer führt der Apostel selbst und der Bericht über sein Leben seine Heidenmission auf seine Berufung zurück. Sollte das nicht heißen, daß bei ihm zuerst der Wille da war, das Christentum zu verbreiten und die Tatsache, daß die Juden es nicht annehmen wollten und er sich erst nachher die theoretische Begründung dafür zurechtgelegt hat (Röm 101315־, llnf.). Das gleiche gilt auch für Paulus Stellung zum Gesetz. Nach Schweitzer verlangt er nur, daß jeder in seinem Status quo, also die Heiden in ihrer Gesetzesfreiheit bleiben. In Wirklichkeit hat der Apostel einen erbitterten Kampf gegen das Gesetz geführt2. Paulus sah, für ein Christentum mit Gesetz, d. h. Beschneidung, Sabbath, Speiseverboten waren die Heiden nicht zu gewinnen. Deshalb gab er das Gesetz auf und alle seine Darlegungen über das Gesetz sind nur ein Versuch der Rechtfertigung vor sich selbst, dem eigentlich wie jedem Pharisäer das Gesetz in Fleisch und Blut übergegangen war. Deshalb haben auch seine sophistischen Argumente gegen das Gesetz (Röm 415, 513, 77-lt) im späteren Christentum keine Rolle mehr gespielt. Sie waren persönlicher Natur und den Späteren ebenso unverständlich wie unnötig. Schließlich versucht Schweitzer für Paulus eine Ethik nachzuweisen, die sich aus seiner Mystik logisch ergeben soll. Mystik und Ethik schließen sich aber nun 1 Ueber den Unterschied zwischen der jüdischen und der mystischsakramentalen Auffassung der Gesetze vgl. Mich. Guttmann, בחינת קיום המצוות, Jahresbericht des Bresl. Sem. für 1931, S. 89. 2 Siehe meinen Artikel ,,Christentum“ in der Encyclopaedia Judaica.

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